Bild: Frau mit Akten vor dem Trausaal

Würzburg International

„Schottland – umwerfende Landschaft“

Eine Würzburger Ärztin erzählt von ihrem Studienaufenthalt in Würzburgs schottischer Partnerstadt Dundee


Der Aufenthalt in Dundee war im Hochsommer 1971 mit 2 Monaten Famulatur in dem alten Universitätskrankenhaus „Dundee Royal Infirmary“. Die Begrüßung war herzlich. Wir fünf Studenten wurden mit mehreren betreuenden Ärzten versorgt und in den Klinikbetrieb eingewiesen. Der Kulturschock blieb aus.

Das schottische Englisch

war leichter verständlich, als die Sprechweise in Südengland. Es hört sich „fränkisch R-betont“ an. Auch die schottische, nicht immer ernst gemeinte Distanzierung von Great Britain war für uns fränkische Bayern nicht unverständlich. Wir waren stolz auf unsere Weinkultur, die Schotten auf ihren Whisky. Bei Festen erlebten wir unsere manchmal distanzierten Gastgeber sentimental, heftig überschäumend und tanzend bis zum umfallen.

Die Betreuung

war individuell und abwechslungsreich. Ich wurde von einem Anästhesisten eine Woche auf Landtour mitgenommen. Die Landkrankenhäuser bestanden teilweise noch aus Baracken aus Kriegszeiten. Es war alles gut organisiert und die Patienten so gut versorgt wie überall. Der „National Health Service“ [Anm.: Nationales Gesundheitswesen] bestand seit 1948 und bot für alle eine staatliche Gesundheitsfürsorge mit allen Problemen und Vorzügen. Aus heutiger Sicht beurteile ich manches positiver als damals.

Die schottischen Patienten

waren erstaunlich hart im Ertragen von Schmerzen und von großer Geduld. Im Krankenhaus fühlte ich mich nicht fremd. Die Schotten, soweit man verallgemeinern kann, unterscheiden wohltuend zwischen dienstlichem Umgang und freundschaftlichem Zusammensein. Die offiziellen Einladungen (Bürgermeister, Dekan der Universität, Rotary Club) waren angenehm. Vor dem Essen wurde ein Toast auf die Königin ausgebracht. Im Kino wurde vor Beginn des Films die Nationalhymne gespielt.

 

Ich wurde gefragt, welches Erlebnis mich zum Lächeln und zum Nachdenken gebracht hat. Darauf kann ich nur antworten „Wir haben nicht gelächelt, sondern häufig lauthals gelacht“ und Zeit zum Nachdenken war erst hinterher.

In der Nachschau kann ich sagen, dass die zwei Monate Austausch eine Fülle von Erlebnissen, Anregungen und Einsicht in Zusammenhänge gebracht hat.

Würzburgerin erzählt von Dundee

 

 

 

 

 

 

 

Frau Seissiger mit dem aktuellen Programm der

Bürgerreise nach Dundee (9.-15.4.2012)