Jens Person Lindahl, tragischer Gestalter des Würzburger Ringparks
von Ulrich Wagner
Von Philippsruhe bei Hanau richtete Lindahl 1879 eine Bewerbung an die Stadt Würzburg: Weil er in Deutschland schon so heimisch geworden sei und in diesem Land eine selbstständige Stellung finden möchte, bat er um die Übertragung der Stadtgärtnerstelle.
Lindahl wurde 1843 bei Christianstad in Schweden geboren. Er schloss erfolgreich die Realschule ab, absolvierte zunächst auf dem gräflichen Gut Okesholm, dann an der königlichen Gartenbauschule Bäckaskog eine zweijährige Lehrzeit und arbeitete anschließend als Stadtgärtner in Stockholm, Wandsbek, Hamburg und schließlich in Frankfurt. Dort kam er in Kontakt zu Gartenbaudirektor Sießmayer, dem er bei der Umgestaltung des landgräflichen Schlossparks zu Philippsruhe in eine prächtige Gartenanlage assistierte.
Am 2. August 1880 begann Lindahl in Würzburg seinen Dienst. Aufgabe war, die Festungswerke und den Glacisbereich, die bislang als militärischer Bezirk nicht bebaut werden durften, in einen Gesamtpark umzuformen. Die ersten Planungen für den Pleicher-, Hauger- und Rennwegerbereich zeigten bereits den hochklassigen Gartenkünstler. Seine Konzeption sah unter Verwendung des alten Baumbestandes eine Anlage vor, die den Bürgern stadtnah Ruhe und Erholung vermitteln sollte. Dichtschattige Laubgänge sollten mit grünen Wiesen wechseln, unterbrochen von einzelnen monumentalen Bäumen oder Gruppen schön blühender Zierbäume und Sträucher. Felspartien und kleine Wasserfälle, Statuen und Teiche mit plätschernden Springbrunnen sollten reizvolle Anblicke bieten. Insgesamt erstrebte Lindahl eine Parklandschaft mit einem abwechslungsreichen und stimmungsvollen Bild. Auf der Internationalen Gartenbauausstellung zu St. Petersburg wurde Lindahl hierfür 1884 mit Silbermedaille und Diplom ausgezeichnet.
Als erstes ließ Lindahl das Rennweger Glacis umgestalten. Mit der Auflage, keinesfalls Charakter und Stil der Glacisanlage aufzuheben, war seine Konzeption von vorne herein eng begrenzt. Von einigen Gemeindebevollmächtigten wurde ihm rasch vorgeworfen, er schlage alte Bäume aus den Anlagen und beseitige zu viel Buschwerk. Als Lindahl im Winter 1883/1884 die Umgestaltung des Glacis vor dem Bahnhof in Angriff nahm, traten bei der Terraingestaltung infolge schwer abzutragender Felsschichten unerwartete Schwierigkeiten auf. Es mussten zusätzliche Mittel beantragt werden. Obwohl diese nur teilweise bewilligt wurden, ließ Lindahl weiter arbeiten. In der Stadt kursierte der Spruch, erneut sei der Schwede in Würzburg eingefallen und hause hier wie zur Zeit des Schwedenkrieges! Bürgermeister Georg von Zürn, der seinen Gartenarchitekten bislang gegen alle Angriffe geschützt hatte, erlag im Mai 1884 überraschend einem Herzinfarkt.
Die Parkgestaltung verstand Lindahl als Kunstwerk - er war daher nicht zu Kompromissen bereit, auch wenn die Finanzplanung Sorgen bereitete. Als er vor dem Sanderviertel einen See, der mit Mainwasser gespeist werden sollte, anlegen ließ, kritisierte die Presse, dass es ein Unding sei, neben einem Fluss für teures Geld einen künstlichen See zu schaffen. Hierauf distanzierte sich der neue Bürgermeister Dr. Johann Georg Steidle von seinem Stadtgärtner.
Eine Kommission sollte künftig Lindahls Ausgaben überprüfen. Dieser Affront führte bei Lindahl zu einem Nervenzusammenbruch. Während einer Kur in Sommerberg ließ der Magistrat den ausgehobenen Weiher wieder zuschütten, mit Rasen bepflanzen, die aufgeworfenen Hügel verkleinern und als Spielplätze herrichten. Nach seiner Rückkehr war Lindahl über diese Eingriffe entsetzt, er klagte über Kopfschmerzen und Schwindelanfälle. Am 22. November 1887 erschoss er sich in den Glacisanlagen an der Ottostraße. Das unvollendete Werk schloss sein Nachfolger, Stadtgärtner Engelbert Sturm, bis 1891 ab.
Ein Freundeskreis veranlasste, dass zu Ehren Lindahls in seiner Wirkungsstätte nahe der Neuen Universität ein Gedenkstein errichtet wurde. Später ließ der Würzburger Stadtrat eine Straße nach ihm benennen, 1982 wurden seine sterbliche Überreste in das städtische Ehrengrab auf dem Hauptfriedhof umgebettet.
Bis heute verdankt die Stadt Würzburg diesem hochverdientem Gartenarchitekten eine Grünanlage, die zu den beeindruckendsten Ringparks Deutschlands zählt.

Jens Person Lindahl (1843 – 1887)
während seiner Würzburger Zeit
im Alter von etwa 40 Jahren.
Photo: Stadtarchiv Würzburg