In der Stadt brodeln die Gemüter. In den Weinschänken, in den Gassen, auf den Plätzen, überall, wo Leute zusammenkommen, scheint Hans Bermeter zu sein. Der Spengler und Spielmann aus dem Hauger Viertel predigt den Umsturz.
Aus Rumor wird Gewalt
Am leichtesten zu entzünden sind die Häcker. Die plagen sich wie niemand sonst, fahren im Schnitt nur alle drei Jahre eine gute Ernte ein, leben unter unerträglichen Bedingungen und leiden unter einer übermächtigen Konkurrenz des Domkapitels (das ist die Gemeinschaft der Domherren) und der Klöster. Die müssen keine Personalsteuern an den Bischof abführen, sie können Wein billiger verkaufen.
Aus dem Rumor wird Gewalt. Bermeter und seine Gleichgesinnten überfallen Geistliche, rauben Wein, Getreide und Lebensmittel und verteilen die Beute untereinander. Sein Haufen wächst stetig.
Auf der anderen Seite des Mains, oben in der Festung, sitzt Bischof Konrad von Thüngen. Er sieht nicht, was sich in der Stadt zusammenbraut. Konrad ordert von benachbarten Fürsten Hilfe gegen die anrückenden Bauern, schreibt aber am 21. April 1525, dass er "bishere bey unsern burgermaistern, rathe und den furnemsten in unser hauptstat Wirtzburg nit vernomen, das inen solch der bauren furnemen gefalle".
Die Ritter des Stifts sagen ihre Hilfe zu. Die Würzburger sind empört. Was die Einquartierung der Bischöflichen bedeutet, wissen sie schon: Willkür, Plünderungen, Zwangsrekrutierung. Hans Bermeter heizt die Stimmung weiter an. Er setzt Gerüchte in die Welt und fälscht Briefe des Stadtrates, mit denen er das Rothenburger Bauernheer nach Würzburg ruft.
Der Stadtrat redet Tacheles
25. April. Der Stadtrat redet mit dem Bischof Tacheles. Würzburg werde weder seine Ritter aufnehmen, noch Bürger gegen die Bauern in den Krieg schicken. Führend in der Front gegen Konrad: der Altbürgermeister, Bildschnitzer und Steinhauer Tilman Riemenschneider. Dabei sitzt er einer List Bermeters auf. Der hatte gestreut, der Bischof und das Domkapitel hätten heimlich Geschütze und Pulver vorbereitet und Adelige versammelt, um die Bürger zu überfallen.
Die Lage eskaliert weiter. Würzburger plündern die Klöster Ober- und Unterzell und setzen aufs Kloster Himmelspforten den "roten Hahn" _ sie zünden es an.
Konrad von Thüngen flüchtet
Am 30. April ist der Bruch zwischen Stadt und Bischof perfekt. Der Stadtrat fordert von Konrad von Thüngen die Abschaffung der Zölle, die freie Wahl der Ratsherren, die Besetzung der Gerichte durch Bürger und die Anerkennung der zwölf Artikel der Bauernschaft (siehe Kasten). Konrad lehnt ab. Am 5. Mai flüchtet er nach Heidelberg.
Die Bauernheere rücken in Würzburg ein. Der Stadtschreiber Martin Cronthal berichtet, sie hätten die Würzburger gezwungen, sich anzuschließen. Am 9. Mai geht ein offener Brief an Bischof Konrad ab. Die Bürgerschaft habe sich "aus betrangter noth" entschlossen, die "bruderliche vereinigung und das heyllige evangelium aufrichten helfen, der bauerschaft zuzusagen".
Am 14. Mai, früh um vier, beginnen die Bauern mit dem Sturm auf die Festung. Die Bischöflichen, gerade mal 400 Mann, schießen aus schweren Geschützen zurück, nicht nur auf die Bauern, auch auf die Stadt. Die Bauern können die Festung nicht nehmen. Sie treiben hinter St. Burkard einen Stollen in den Berg, um die Festung in die Luft zu jagen. Auch das misslingt.
Ein furchtbares Schlachten
Während sie sich, angeführt vom Giebelstädter Reichsritter Florian Geyer und vom Götz von Berlichingen, blutige Köpfe holen, rücken Konrads Verbündete vor _ ein kriegserfahrenes Heer, voran der Schwäbische Bund, geführt vom Truchseß von Waldburg.
In den folgenden Tagen beginnt ein furchtbares Schlachten. Bei Königshofen und bei Sulzdorf müssen Tausende Bauern ihr Leben lassen. Götz von Berlichingen hat sich rechtzeitig abgesetzt, Geyer wird bei Rimpar Opfer eines Attentats.
Der Stadtrat reagiert, er schickt den Siegern einen reitenden Boten. Am 3. Juni trifft er im Lager des Truchseß' von Waldburg ein. Der Stadtrat lasse ausrichten, die Würzburger seien unschuldig. Der Heerführer möge zwischen ihnen und dem Bischof vermitteln. Von Waldburg schickt ihn ohne Antwort fort.
Ein furchtbares Gericht
Am 8. Juni besetzen die Sieger Würzburg. Ihr Strafgericht ist furchtbar. Sie richten 115 Rädelsführer hin und nehmen über 150 Bürger, unter ihnen Riemenschneider, in Haft, foltern sie und lassen sie erst neun Wochen später wieder frei.
Hans Bermeter entkommt. Zwei Jahre später wird er in Nürnberg gefangen und hingerichtet.
Alle Rechte liegen beim Autor Wolfgang Jung