"Ich möchte mich nicht in die Programmgestaltung des Mozart-Fests einmischen, aber Diana Damrau würde das ausgezeichnete Programm dieses Jahres nochmals bereichern", warb Oberbürgermeister Georg Rosenthal bei der Kulturpreisverleihung um ein baldiges Wiedersehen und Wiederhören mit der Star-Sopranistin in Würzburg.
Auch der frühere Intendant des Mainfranken Theaters Dr. Tebbe Harms Kleen schloss seine Laudatio mit den Worten: „Komm bald nach Würzburg zurück - zum Beispiel für einen Liederabend!" Die 250 Festgäste sendeten mit stehenden Ovationen nach der Schlussarie der Amina aus „La sonnambula" von Vincenzo Bellini die gleiche unmissverständliche Botschaft.
Die diesjährige Kulturpreisträgerin hat längst in München, Mailand oder der Met das Publikum und die Fachwelt verzaubert, die Verbindung zur Würzburger Fangemeinde ist aber nie abgerissen. Ihre Dankesworte kamen im Mainfranken Theater sehr gut an „ Dies ist für mich ein ganz besonderer Tag in meinem Leben. Würzburg ist nicht irgendeine Stadt, hier begann meine Karriere. Mit dieser Stadt verbinde ich Meilensteine." Die Sopranistin dankte für die enorme Förderung, die sie in Würzburg erfahren habe. Sie berichtete von ihrem Vorsingen an der Hochschule für Musik, das nicht nur ihr großen Applaus bescherte, sondern auch gleich ihrer Gesangslehrerin Carmen Hanganu den passenden Lehrauftrag.
Ihr Operndebüt gab sie beim Mainfranken Theater als Barbarina in „Figaros Hochzeit" von Mozart. Es folgten unzählige Rollen, Festengagements in immer größeren Häusern und schließlich 2002 der erfolgreiche Sprung in eine freiberufliche internationale Karriere. Dr. Kleen zeichnete die Stationen, Preise und Triumphe dieser Ausnahmekünstlerin nach, die auch schon Anna Netrebko während ihrer Schwangerschaft vertrat. „Frau Netrebko hätte jetzt die Chance sich zu revanchieren", gratulierte der Laudator auch zum privaten Glück. Wie Kulturreferent Muchtar Al Ghusain in seiner Begrüßung, nutzte aber auch Dr. Kleen den feierlichen Rahmen um anhand der Erfolgsgeschichte Diana Damraus eine Lanze für die vielen kleineren Dreisparten-Häuser Deutschlands zu brechen: „Wenn wir nicht an einer breiten Grundlage der künstlerischen Ausbildung arbeiten, wird uns bald auch die Spitze fehlen."
Nicht nur Diana Damrau zeigte, von Generalmusikdirektor Jonathan Seers am Flügel begleitet, ihr ganzes Können, auch die Akkordeonistin Andrea Carola Kiefer präsentierte zusammen mit Ingólfur Vilhjálmson vom „DuoPlus" ihre nun mit dem Kulturförderpreis ausgezeichnete Interpretation zeitgenössischer Kompositionen. Die Laudatio hielt ihr früherer „Tonsatz-Lehrmeister" Erwin Horn vom damaligen Hermann-Zilcher-Konservatorium. Er lobte die im In- und Ausland gefragte Interpretin bei Rundfunkanstalten, die bereits drei CDs eingespielt hat, für ihre „Kommunikationsfreudigkeit". Diese äußere sich im Mitwirken in unterschiedlichsten Ensembles und in der direkten Auseinandersetzung mit ihren Komponisten, bei denen sie direkt nachfragt, wie die Noten gelesen werden müssen. Ihr Spiel habe nicht zuletzt dadurch unzählige Nuancen: „Gerade die Minimalismen sind bei der Künstlerin der Reichtum. Wenn ihr Instrument die leisen Töne spielt oder gar verstummt."
„Ohne jede Effekthascherei" arbeitet laut Lorenz Dangel auch der Filmregisseur, Autor und bildende Künstler Benjamin Heisenberg. Das Publikum konnte sich durch den Trailer zum aktuellen Spielfilm „Der Räuber" davon überzeugen, dass sich Heisenbergs Filme durch ein hohes Maß an Ästhetik und tiefe Charakterstudien auszeichnen. Heisenberg freute sich über den Kulturpreis, nicht selbstverständlich bei seinem Metier, würden Filme doch oft als ein kommerzielles Massenmedium betrachtet. Der mit 2.500 € dotierte Preis würdigt die schnelle Karriere, des in Reichenberg aufgewachsenen Filmemachers, der in München Bildende Kunst und Spielfilmregie studierte. Seine aufregende künstlerische Orientierungsphase am Würzburger Wirsberg-Gymnasium hat er aber auch nach vielen Filmpreisen, seit 2000 fast im Jahres-Rhythmus, nicht vergessen.
Mit Horst Ziegler zeichnete die Stadt zudem die Leistung eines in Würzburg geborenen Kunstdesigners und Fotografen aus, der laut Jury dank seiner fein ziselierten und differenzierten Arbeiten zu den innovativsten Künstlern seiner Generation zählen dürfte. Dr. Carola Schneider, die wissenschaftliche Leiterin des Museums im Kulturspeicher, schilderte in ihrer Laudatio ihre Eindrücke von einem Besuch im „Atelier/Labor" des langjährigen BBK-Geschäftsführers, der - wie er selbst betonte - nicht dank einem Übermaß an Geduld, sondern vielmehr aus tiefster Hingabe wachsende und welkende Pflanzenwelten für seine Kamera vorbereitet. Ziegler freute sich darüber, in Würzburg Spuren hinterlassen zu haben und versprach, sich von seinem jetzigen Lebensmittelpunkten Augsburg und München aus weiter in die Würzburger Szene einzubringen.
![]() | Auszeichnung für einen Weltstar mit Würzburger Wurzeln: Bürgermeister Dr. Adolf Bauer, Kulturreferent Muchtar Al Ghusain, die Kulturpreisträgerin der Stadt Würzburg 2010 Kammersängerin Diana Damrau, der Fotograf und Kunstdesigner Horst Ziegler, Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake, Filmregisseur Benjamin Heisenberg, Oberbürgermeister Georg Rosenthal und die ebenfalls mit einem Kulturförderpreis bedachte Akkordeonistin Andrea Carola Kiefer bei der Verleihung im Mainfranken Theater. Foto: Georg Wagenbrenner |