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Rollstuhl-Erfahrung für Stadträte, 30.09.2009

„Eigentlich ist es vom Rathaus zum Spitäle nur ein Katzensprung. Doch im Rollstuhl sitzend, waren die vielen Steigungen und Gefälle auf dem Pflaster extrem anstrengend. Zweimal wäre ich ohne Hilfe nicht weitergekommen“, nicht nur Hans Werner Loew stieß bei der von seinem Stadtratskollegen Michael Gerr organisierten Rollstuhl-Erfahrung an seine Grenzen.

Silke Trost hatte nach der zweistündigen Aufgabe, die sie zusammen mit Regine Samtleben absolvierte, Blasen an beiden Daumen. Patrick Friedel und Oberbürgermeister Georg Rosenthal bemühten sich vergeblich aus eigener Kraft in die Straßenbahn zu kommen.

Viele kleine frustrierende Erlebnisse und die Schlagwörter „Barrierefreiheit“ und „Selbstbestimmung“ betreffen einen plötzlich ganz persönlich und direkt: „Eine Schwelle von acht Zentimetern ist für mich sonst keine Schwelle“, gestand Hans Schrenk nach der Aktion, bei der schon im Rathaus viele Herausforderungen auf die Stadträte warteten. Rosenthal, der auf seinem Weg zum Zielort VR-Bank zunächst vergleichsweise schnell vorangekommen war, musste bei der Schwelle zwischen Rathaus und Tiefgarage zum ersten Mal passen. Die schwere Brandschutztür aufhalten und gleichzeitig mit dem Rollstuhl über das Hindernis am Boden: keine Chance. An dieser Stelle ist eine bauliche Nachbesserung unabdingbar, stellte Rosenthal in Aussicht.

Die Liste der Barrieren, Umwege und unbewussten Diskriminierungen, die von den Stadträten nach der Tour in einer gemeinsamen Runde zusammen getragen wurden war lang: „versteckte“ Türöffner, fehlende Behindertentoiletten in der Gastronomie oder auch Spiegel, um aus engen Aufzügen rückwärts wieder herauszufinden, wurden vermisst. Gerr und der Behindertenbeauftragte der Stadt Würzburg Karl-Heinz Marx betonen in ihren Schlussworten, dass es an diesem Tag aber nicht das Ziel war, die Stadt Würzburg als besonders rückständig in Sachen Barrierefreiheit zu präsentieren. Dies würde den großen Fortschritten der letzten Jahre und der insgesamt positiven Gesamtsituation im Städtevergleich nicht gerecht, vielmehr ginge es darum, die Entscheidungsträger über künftige Bauprojekte auf möglichst viele wichtige Detailfragen aufmerksam zu machen. Trotzdem notierten sich die Stadträte und der Oberbürgermeister nach den gelösten und ungelösten Aufgaben selbstverständlich viele konkrete Hausaufgaben.

Aufzug_Rosenthal
Komplizierter Weg zum Casino: Snacks aus der Stadtkantine während der Sitzungspause lässt sich Michael Gerr von den Kollegen mitbringen. Oberbürgermeister Georg Rosenthal bewältigte im Rahmen der „Rollstuhl-Erfahrung“ einmal den langen Umweg über den Grafeneckart.
Foto: Wagenbrenner
Marktgarage_Gerr
Erfahrungsaustausch: Stadtrat Michael Geer (links) bespricht mit Oberbürgermeister Georg Rosenthal (Zweiter von rechts) und Stadtrat Hans Schrenk (rechts) die ersten bewältigten und unbewältigten Aufgaben der Rollstuhl-Erfahrung.
Foto: Wagenbrenner

 




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