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Gedenkfeier für Schraga Har-Gil
Bewegende Erinnerung an einen Mann mit vielen Facetten,
9. März 2010

„Schraga Har-Gil - geboren und gestorben in Würzburg“, laut Dr. Josef Schuster, den Vorsitzenden der israelitischen Kultusgemeinde Würzburgs und Unterfrankens, verbirgt sich hinter diesen „banalen“ Lebensdaten eine einzigartige Biographie.

Die Rückkehr des letzten Vertreters der jüdischen Vorkriegsgemeinde Würzburgs - „nach dem Verbrechen gegen sein Volk, seine Familie und ihn selbst“ - würdigt auch Oberbürgermeister Georg Rosenthal bei der Gedenkfeier für den Schriftstellers und Journalisten im Spitäle als große Geste der Versöhnung: „Dafür schulden wir ihm Respekt und Dank.“

Respekt, Dank und vor allen Dingen große Herzlichkeit machen aus der von Ulla Gessner organisierten Abendveranstaltung ein tief bewegendes Ereignis. Sehr persönliche Beiträge erinnern an den geliebten Partner, Vater oder einen „Menschen, den man schon lange im Herzen hatte, noch bevor man ihn durch einen beglückenden Zufall fand“ (das Ehepaar Strassburg). Shraga Har-Gil war ein Mann mit vielen Facetten. Dieser Vielseitigkeit wird der Abend eindrucksvoll gerecht. Nicht nur die farbenfrohen Bilder der Künstlerin Anat Har-Gil, die Ehefrau von Dr. Gil Har-Gil, Schragas Sohn, beleuchten einen gleichzeitig lebensfrohen wie nachdenklichen Menschen. Die gleiche Bandbreite hat die melancholisch bis heitere Musikauswahl von Rainer Schwander, Bernhard und Claudia von der Goltz, die den großen Brückenbauer zwischen Israel und Deutschland auch auf vielen Veranstaltungen begleitet haben.

Rosenthal betont in seiner Rede, dass für die Aussöhnung Schraga Har-Gils mit seiner Heimatstadt das Jahr 1994 von entscheidender Bedeutung war. Mit Unterstützung der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Akademie Frankenwarte, wo er auch wohnte, forschte er damals in Würzburger Archiven über seine Vorfahren. Die Gesellschaft für politische Bildung organisierte dazu ein vierzehntägiges Incoming zum Thema „Jüdisches Leben in Unterfranken“. Viele weitere Vorträge und Lesungen des Großneffen von Felix Freudenberger und des Nachfahren von Rabbi Mendel Rosenbaum sollten dieser Initiative folgen. Viele Schulen lernten von einem wortgewaltigen Zeitzeugen, der glücklicherweise zu dem Schluss gekommen war: „Ich kann nicht vergessen und habe nicht das Recht als Überlebender aus diesen schweren Zeiten im Namen der Toten zu verzeihen. Ich glaube aber das Recht zu haben, mich mit den Töchtern und Söhnen der Nazigeneration zu versöhnen, denn wir müssen eine Welt ohne Hass und Rache aufbauen, um weiter existieren zu können.“

Frei von Hass und Rachegefühlen ist auch sein literarisches Vermächtnis. Dr. Hans Steidle liest „Der feurige Wagen“: Auch wenn in dieser Geschichte der Holocaust wie selbstverständlich mitten in einem einst friedlichen Dorf toben kann. Am Ende staunen die Täter nur ungläubig über ihre Opfer, die Richtung Himmel tanzen. Sie bleiben vor der Asche der Synagoge zurück. Die Erzählung von Ulla Gessner ist hingegen von einer zärtlichen Leichtigkeit. Sie beschreibt unmittelbar nach dem von Rabbi Jakov Ebert vorgetragenen Kaddisch die Paris-Reise eines alten Liebespaares. Ulla und Schraga - genau einen Monat vor dem plötzlichen Tod Schragas bei einem abendlichen Besuch auf dem Würzburger Schützenhof.

Die Gedenkfeier wird von Dr. Amir Har-Gil mit der Kamera festgehalten. Er arbeitet an einem Dokumentarfilm über seinen Vater und Ulla Gessner. So traurig der Anlass ist, die meisten Menschen, die Har-Gil an diesem Abend aufnimmt haben ein Lächeln auf den Lippen, wenn sie sich an seinen Vater erinnern.

AmirHarGil
Erinnerung an Shraga Har-Gil: Im Würzburger Spitäle gedachten viele Freunde und Weggefährten dem 2009 verstorbenen Schriftsteller und Journalisten. Sein Sohn, der Dokumentarfilmer Dr. Amir Har-Gil (links), arbeitet derzeit an einer weiteren Hommage für den großen Vermittler zwischen Israelis und Deutschen.
Foto: Georg Wagenbrenner
 


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