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Archiv 2012

Karibu sana, TSC! - Herzlich willkommen, TSC! Rosenthal begrüßt Fußball-Talente aus Mwanza

Wie sieht der Alltag der Jugendlichen in Würzburgs Partnerstadt Mwanza aus, die sich nichts sehnlicher wünschen, als Fußballprofi zu werden und vielleicht in Europa durchzustarten? Jürgen Seitz, der die 20 größten Talente der Tanzanian Street Children Sports Academy Mwanza (kurz: TSC) nun für drei Wochen nach Deutschland gebracht hat, nennt beim städtischen Empfang einige Beispiele: Das Spielfeld der Akademie muss schon einmal um fünf Meter verlegt werden, wenn ohne Absprache auf einmal ein neuer Strommast auf der Wiese steht. Verspätungen - von bisweilen Stunden - erschweren fast immer die Organisation des Mannschaftssports. Bei Turnieren wird der Spielmodus oft an die Zahl der angereisten Teams angepasst. Für Fahrten pressen sich wiederum bis zu 40 Kinder in einen Kleinbus. Busgeld können sich nur wenige leisten. Wenn die TSC einem Spieler hierfür bis zu 12 € im Monat zahlt, entspreche dies einem Vermögen: „Der Vater verdient vielleicht nur 60 € im Monat. Viele der Sportler besitzen nicht mehr als fünf Hemden und T-Shirts und beim Training hat es auch nur eine Hand voll Bälle."

Seitz versucht mit seinem Bericht, den er mit einigen Videofilmen aus Mwanza unterlegt, für die Sache zu begeistern, ohne die Lage zu verklären. Viele Sorgen des Akademiealltags sind einfach nur lästig und von Professionalität noch weit entfernt. Der Akademieleiter weiß aber auch, dass trotz aller Widrigkeiten, seit der Gründung 2009 vieles sehr gut geklappt hat: „Am Wichtigsten ist vielleicht die Tatsache, dass in drei Jahren nie ein Spieler länger als zwei Wochen verletzt ausfiel."

Nun ist der TSC also in Würzburg angekommen. Oberbürgermeister Georg Rosenthal hieß die Spieler mit einem „Karibu sana" herzlich willkommen. Gerade die gegenseitigen Versuche in der Sprache der Gäste oder der Gastgeber etwas zu sagen, wurden beim Empfang mit viel Applaus bedacht. Die Kicker um Trainer Rogasian Rwehumbiza Kaijage stellten sich mit einem kurzen „Ich heiße ..." vor und bedankten sich schließlich mit „Diese Reise bedeutet uns sehr viel." Sehr viele Partner und Sponsoren sorgen nun auch dafür, dass die drei Wochen mit Höhepunkten gespickt sind. Den ersten 3:1-Sieg haben die Fußballer aus Afrika gegen den SV Veitshöchheim schon eingefahren, weitere Partnervereine sind die JFG Würzburg Nord Grombühl, der Würzburger FV und natürlich M.W.A.N.Z.A. e.V. Für die Stadt halfen bei der Organisation der Fachbereich Schule, der Fachbereich Sport und das Büro Würzburg International. Alle Gäste erhielten im Wenzelsaal zu einem kleinen Präsent die grüne Willkommenskarte der Stadt Würzburg, mit der die Öffentlichen Verkehrmittel genutzt werden können und Besuche im Schwimmbad, Museen oder im Theater möglich sind.

Wenn hierfür überhaupt Zeit bleibt, es sind nämlich neben Turnieren, Besuche in Schulen, einem Abstecher zur Sportferienfreizeit auch viele Ausflüge geplant. Dank der Firmen Adidas und s.Oliver hat das Team nun - wie es sich für künftige Profis gehört - beim Sport und zu Terminen einheitliche Outfits. Die Mission der Reise lautet, das soziale Projekt, das bereits auf vier Nationalspieler unterschiedlicher Altersklassen verweisen kann, so bekannt zu machen, dass es langfristig Kooperationspartner findet und existieren kann. Der stellvertretende Stadtdirektor Mwanzas Jeremiah Tito Mahinya begleitet das Team bei den Stationen in Deutschland. Den Besuch in Würzburg nutzt Mahinya natürlich auch, um sich den weiteren Säulen der Städtepartnerschaft zu widmen. So unterzeichnete er beispielsweise am Rande des Empfangs zusammen mit Michael Stolz (M.W.A.N.Z.A. e.V.) den Vertrag eines Public-Private-Partnership-Projekts, das den Fischern am Viktoriasee den Umstieg auf umweltfreundliche Solarlampen beim täglichen Fischfang ermöglichen soll.

 

Ein Traum in Blau: Die mit neuen Trainingsanzügen ausgestatteten Spieler der TSC-Academy aus Mwanza zusammen mit Akademieleiter Jürgen Seitz (Mitte), Oberbürgermeister Georg Rosenthal, Mwanzas stellvertretenden Stadtdirektor Jeremiah Tito Mahinya und Trainer Rogasian Rwehumbiza Kaijage (Zweite Reihe, rechts) beim Empfang im Wenzelsaal des Würzburger Rathauses.
Foto: Georg Wagenbrenner

 

Eindrücke aus Mwanza: Das Team gewährt Einblicke in die Akademie und den Alltag in der Partnerstadt.
Foto: Georg Wagenbrenner