Eine Reportage aus Afrika hatten den Stein ins Rollen gebracht: Der junge Journalist Franz Graf Magnis hatte im äthiopischen Hochland Dr. Antoine Fèron getroffen und berichtet, wie sich der elsässische Arzt dort mit einfachsten Mitteln und Leprapatienten kümmerte. Erschüttert vom geschilderten Leid und Elend der Aussätzigen wollten Hunderte Leser spontan spenden. Doch wohin? Von der Welle der Hilfsbereitschaft überwältigt, gründeten Graf Magnis und sein Würzburger Zeitungskollege Hermann Kober, der spätere Chefredakteur des Fränkischen Volksblatts, mit ein paar Mitstreitern am 18. Januar 1957 das "Aussätzigen Hilfswerk Dr. Fèron". Dass es da eine kleine private Initiative im Unterfränkischen gab, sprach sich in der Welt schnell herum. Nicht lange nach der Vereinsgründung trafen Hilfegesuche und Anfragen aus Indien, aus Tansania, gar von den Osterinseln in Würzburg ein. Was die Gründer als einmalige, spontane Hilfsaktion gedacht hatten, ließ sich kaum mehr beenden. Bald weiteten sie die finanzielle Unterstützung auf andere Leprastationen aus. Noch im Sommer 1957 benannte sich die Einrichtung deshalb um in "Deutsches Aussätzigen Hilfswerk", kurz DAHW. Mit den ersten Spendengeldern konnte der Verein in Äthiopien eine Leprastation aufbauen, wenig später errichtete er im indischen Madras die erste Lepraklinik. In Deutschland sprach zu der Zeit kaum jemand von der Krankheit, die Menschen so furchtbar verstümmeln kann. Die meisten Menschen verbanden mit dem Begriff "Aussatz" den Lazarus der Bibel. Die Hilferufe uas aller Welt aber rüttelten auf. "Es war unglaublich, welch alamierende und ergreifende Berichte wir bekamen", erinnert sich die 80-jährige Mitbegründerin Irene Kober. Das weltweite Ausmaß der Lepra sei den Helfern bald deutlich geworden: "Wir gingen von rund 15 Millionen Patienten aus." 1963 unterstützte das DAHW bereits 83 Leprastationen weltweit. Von Beginn an kämpfe das Hilfswerk mit dem Herz im Logo gegen das Stigma an, das den Kranken und Ausgestoßenen anhaftet. Und von Beginn an leistete es nicht nur medizinische Hilfe, sondern sorgte sich um die Wiedereingliederung der Kranken in die Gesellschaft. Heute noch unterstützt das DAHW die Patienten und Familien gerade im Sozialen: "Unsere besondere Sorge gilt den Menschen, die durch die Lepra bereits behindert sind, die ihr Leben lang medizinische Hilfe brauchen", sagt DAHW-Präsident Alois Pöschmann. Ende der 70er Jahre trug die Würzburger Organisation maßgeblich dazu bei, eine neue Therapie gegen die Lepra zu entwickeln. Sie wird heute von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlen, die Krankheit ist heilbar geworden. Einen zweiten Schwerpunkt setzte sich das Hilfswerk Anfang der 90er Jahre: den Kampf gegen die Tuberkulose. Acht bis neun Millionen Menschen erkranken weltweit jährlich an der gefährlichen Infektionskrankheit, fast zwei Millionen sterben. "Es ist ein stilles Sterben, abseits der Öffentlichkeit", sagt DAHW-Geschäftsführer Jürgen Hammelehle. Durch die Umbenennung in "Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe" trägt die Organisation ihrer Arbeit seit 2003 im Namen Rechnung. Zum Kampf gegen TB ist der gegen Aids dazugekommen: HIV-positive Menschen infizieren sich leicht mit Tuberkulose, in vielen neuen DAHW-Projekten spielen Aids-Aufklärung und die Bekämpfung der Immunschwächekrankheit deshalb eine wichtige Rolle. Wie sieht die Zukunft aus? Seit vergangenem Jahr fördert das DAHW die Behandlung "vergessener" Krankheiten wie Buruli Ulcer (siehe Artikel links) oder Leishmaniose. Doch die Hauptaufgabe soll die Hilfe für die Leprakranken bleiben. Denn die Krankheit ist zwar heilbar geworden - aber noch nicht besiegt. Quelle: Mainpost vom 18-01-07 (Alice Natter) |