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Austausch mit japanischer Partnerstadt: Touristiker steckten die Köpfe zusammen

Vor Ryota Chono liegen sportliche Jahre. Bei der Stadtverwaltung Otsu kümmert er sich um den internationalen Tourismus und die Städtepartnerschaften. Nun absolvierte er eine abwechslungsreiche Arbeits- und Erkundungswoche in der Partnerstadt Würzburg.

Station in der Tourist Info:
Station in der Tourist Info: (c) Georg Wagenbrenner
Katja Schröder (Würzburg International), Ryota Chono und die Leiterin der Tourist Info im Falkenhaus Maria Pertmann-Ley hatten eine Woche Zeit für einen intensiven Austausch in Sachen Tourismus und Städtepartnerschaft.
Er half im Büro Würzburg International und der Tourist Info mit und traf Oberbürgermeister Christian Schuchardt, Tourismusdirektor Björn Rudek sowie Marketingleiter Jürgen Ludwig. Kurze Abstecher nach Aschaffenburg und Frankfurt rundeten sein Bild von der Region ab. Im Gegenzug erfuhren die deutschen Kollegen viel über die Tourismusstrategie der japanischen Großstadt, die trotz ihrer 340.000 Einwohner oft als kleine Schwester der Millionenstadt Kyoto wahrgenommen wird.

Zwei Großereignisse werfen aktuell in Japan ihre Schatten voraus. 2020 finden in Tokio die nächsten Olympischen Spiele statt. Die Hauptstadt ist in gut drei Stunden mit dem Schnellzug erreichbar. Ziel ist es, zumindest einen kleinen Teil der erwarteten Besucherströme auch nach Otsu zu locken. Bereits 2019 ist Japan Ausrichter beim Rugby World Cup. Dieses Turnier bietet eine noch viel größere Chance für die Partnerstadt, zusätzliche Gäste anzuziehen. In Otsu werden die Nationalmannschaften von Wales und den Fidschi-Inseln ihre Quartiere aufschlagen. Die Weltmeisterschaft dauert von September bis November und hat in Japan und vielen weiteren Ländern eine vergleichbare oder sogar noch höhere Bedeutung als bei uns der geliebte Fußball.
Wenn nicht derartige Events anstehen, konzentriert man sich laut Chono in der Partnerstadt bei der Tourismus-Strategie auf drei Länder ganz besonders: Taiwan, Thailand und Frankreich. Warum Frankreich? Wieder einmal hat dies mit Kyoto und der direkten Flugverbindung nach Paris zu tun. Bei aller Konzentration auf die Nachbarstadt, natürlich hat Otsu auch ein eigenes, ein einzigartiges Profil zu bieten. Der Biwa-See, Japans größter Süßwasserspeicher und die Berglandschaft um diesen herum bietet die perfekte Kulisse für Wassersport, Wanderungen und im Winter sogar Skispaß. In einer Zeit kurz vor Würzburgs Gründung im Jahr 703 war Otsu sogar für eine kurze Ära die Hauptstadt Japans. Von dieser alten Geschichte zeugen heute noch viele bedeutsame Tempelanlagen. Der Enryaku-ji ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes Historisches Kyoto (Kyoto, Uji und Otsu). Einen solchen weltweit beachteten Besuchermagneten zu haben, ist eine wichtige Gemeinsamkeit mit Würzburg. Chono hat bei seinem zweiten Aufenthalt in Deutschland aber natürlich auch Unterschiede und mainfränkische Besonderheiten festgestellt: „Es ist erstaunlich, dass die Würzburger Fußgängerzone die ganze Woche so lebendig ist. In Otsu sind unter der Woche deutlich weniger Menschen im Zentrum unterwegs. In Würzburg hat es eine großartige Balance aus Einzelhandel, Tourismus oder auch Gastronomie.“
 
Der japanische Amtskollege von Katja Schröder im Büro Würzburg International schwärmt auch von der Alten Mainbrücke und dem Brückenschoppen mit Ausblick. Japanische Touristen würden gerade die Kombination aus alten Burgen oder Schlössern in einer idyllischen Landschaft als Kulisse für kulinarische Genüssen als „erlebten Luxus“ empfinden. Würzburg könne hier wirklich viel bieten und so auch auf einer längeren Reise - beispielsweise entlang der Romantischen Straße - im Gedächtnis bleiben. Die älteste Ferienstraße Deutschlands sei in Japan auch nach bald 70 Jahren in der Tourismusbranche noch immer ein beliebter Erfolgsgarant. Auch weil hier in Marketingfragen weit über Stadtgrenzen hinaus in einem sehr guten Netzwerk zusammengearbeitet würde. Diese regionalen Tourismus-Kooperationen seien in Japan weniger stark ausgeprägt, ansonsten gleiche sich aber auch häufig das Handwerkszeug: „Wir unterstützen beispielsweise wie die Kollegen in Würzburg mit großem Aufwand Reiseblogger und Multiplikatoren, die in unsere Stadt kommen und mit ihren Beiträgen und Berichten dann für viele Menschen Wegbereiter sind.“ Grundsätzlich fährt man mehrgleisig und hat sich auf alle Reisearten eingestellt. Die Angebotspalette reicht von Weltkulturerbe-Pauschalangeboten für große Agenturen bis hin zu Indi-vidualtouristen-Insidertipps.
 
Chonos Besuch in Würzburg ist der Beginn eines Austauschs auf Fachebene, den man unter den Stadtverwaltungen anstrebt. Oberbürgermeister Christian Schuchardt und dessen Amtskollegin Naomi Koshi hatten dies bei ihrem letzten Treffen in Otsu auf den Weg gebracht. Die Städtepartnerschaft, die auch von der Siebold-Gesellschaft seit Jahren mit Leben gefüllt wird, feiert 2019 ein rundes Jubiläum. Zum 40. Mal jährt sich dann die Vertragsunterzeichnung. Über die Planungen für das Jubiläumsjahr wollen Chono und Schröder zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zu viel verraten. Eine Bürgerreise in das Land der aufgehenden Sonne ist aber bereits in Vorbereitung.

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