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Kulturpreis für Michael Wollny: Duo, Solo, Duo - Würzburg feiert sich als Musikstadt

Nur selten schaffen es die Alben eines Jazz-Pianisten in die Top 50 der deutschen Musikcharts. Und noch viel seltener kann man einen solchen dann auch „Popstar“ im Würzburger Ratssaal am Steinway-Flügel erleben. Bei der Verleihung des Würzburger Kulturpreises an Michael Wollny kam es gestern zu diesem ganz besonderen Moment und insgesamt war es ein Fest der Musikstadt Würzburg mit Exkursen in den Literaturbetrieb und die Bildhauerei.

Kulturpreis 2018-11
Kulturpreis 2018-11 Bild: Georg Wagenbrenner
Gruppenbild mit Flügel: Die Preisträger der Kulturpreis- und Förderpreise-Verleihung mit ihren Laudatoren. Von links: Oberbürgermeister Christian Schuchardt, Kulturreferent Achim Könneke, Prof. Wolf Peter Klein, Prof. Richard Roblee, Andreas und Carolin Obieglo, Michael Wollny, Dr. Christine Ott, Beate Sampson, Johannes Hepp und Hans Schödel.
Die Stadt Würzburg zeichnete mit Wollny einen Pianisten aus, der mittlerweile zu den wichtigsten europäischen Jazzmusikern zählt. Seine Karriere ist eng mit der Würzburger Hochschule für Musik verbunden, wo er Jazzpiano studierte. In Würzburg legte er die Grundlagen für seine internationale Karriere. Kulturreferent Achim Könneke freute sich über die sehr gute Wahl der Jury, welcher er zum Zeitpunkt der Entscheidung noch nicht angehörte. Die Auszeichnung des „Primus inter Piano-Pares“, wie die Fachzeitschrift „Jazzthing“ Wollny unlängst bezeichnete, sei über die persönliche Würdigung des Ausnahmemusikers hinaus ein Zeichen: „Eine Aufforderung, den Jazz in Würzburg in allen seinen Facetten zu fördern.“

Oberbürgermeister Christian Schuchardt betonte in seiner Rede ebenfalls den Stellenwert der Musik für Würzburg. Würzburg sei eine Musikstadt und dies lasse sich auch an den Kulturpreisträgern ablesen. Wollny reiht sich nun ein unter Persönlichkeiten wie Komponist Prof. Bertold Hummel, Filmmusiker Norbert Glanzberg, Pianist Prof. Bernd Glemser oder Sängerin Diana Damrau. Erst im letzten Jahr ging die Auszeichnung an einen Vertreter der Neuen Musik, Klaus Ospald: „Wir können uns als Kulturstadt und Musikstadt feiern, die junge Kulturschaffende nicht nur anzieht, sondern diese auch ausbildet, fördert und ihnen Möglichkeiten zur Entfaltung bietet.“ Schön sei es natürlich, wenn die Verbindung zu Würzburg auch im Laufe einer großen, internationalen Karriere bestehen bleibt. So trat Wollny beispielsweise mehrfach beim Würzburger Hafensommer auf: „Und wir hoffen natürlich, dass er irgendwann wieder kommt.“ 

Die Musikjournalistin Beate Sampson übernahm als ausgewiesene Kennerin des „Pianisten mit den soghaften Klängen“ die Laudatio und zeigte die enorme Schaffenskraft Wollnys auf – stets aufgeschlossen für neue Einflüsse und Kooperationen, Genre-Grenzen überschreitend, aber auch festhaltend an Konstellationen, die über viele Jahre funktionieren. Weil Wollny auch mal zu Pink, Kraftwerk oder Robbie Williams greife, könne er viele Menschen für sich einnehmen, die seinen Jazz sonst vielleicht als „abgehoben“ abtun würden. Insofern sei es auch ein Glücksfall, dass dieser Musikvermittler nun auch als Professor in Leipzig sein Können und seine Begeisterung an die nächste Generation weitergebe.  

Carolin und Andreas Obieglo haben ebenfalls beide an der Würzburger Hochschule für Musik studiert. Als Singer/Songwriter Duo „Carolin No“ machten sie sich zunächst in der hiesigen Musikszene einen Namen. Mit ihren gleichermaßen eingängigen und musikalisch anspruchsvollen Songs begeistern sie mittlerweile auch weit über Würzburg hinaus ihr Publikum. Das Duo kann bereits auf zehn Jahre Bandgeschichte und sechs Studioalben zurückblicken. Nun erhielt das Musiker-Ehepaar einen der drei Kultur-Förderpreise.

Prof. Richard Roblee erinnerte sich in seiner Laudatio an den Abend in Hammelburg, als er das Duo zum ersten Mal erlebte. Die Ausnahmestimme Carolins war ihm bereits bei der Aufnahmeprüfung zur Hochschule aufgefallen, nun wurde diese aber auch noch durch Andreas‘ empfindsame Begleitung ergänzt und so entstand eine harmonische musikalische Einheit. Mit Texten wie Gedichten und symphonischer Musik, die „Stille als Klangfarbe nicht übersehen hat“. Das ausgezeichnete Duo bedankte sich bei Familie, Förderern und Weggefährten. Ein Name fiel an diesem Abend gleich mehrfach: Den Jazzmusiker Chris Beier bezeichnete das Duo noch heute als wichtigsten Ratgeber. Wollny verneigte sich vor seinem Lehrmeister Beier sogar musikalisch durch die Stückauswahl. Carolin No sangen im Ratssaal über „alle Höhen und alle Tiefen und alles zwischendrin“ und ernteten großen Applaus.

Die Stadt Würzburg würdigte an diesem Abend aber nicht nur musikalische Persönlichkeiten, sondern verlieh auch einen Kulturförderpreis  an eine Germanistin und Verlegerin, die an der Würzburger Julius-Maximilians-Universität lehrt und forscht. Dr. Christine Ott gründete noch während des Studiums den Stellwerck-Verlag und setzt sich seither für literarische Nachwuchsförderung ebenso wie für Literaturvermittlung ein. Prof. Dr. Wolf Peter Klein haderte acht Minuten lang humorvoll, keine 120 oder zumindest doch 90 Minuten Zeit für seine Laudatio als Vorgabe bekommen zu haben, es gelang ihm aber dennoch zwischen den Zeilen die Gestaltungskraft und den Gestaltungswillen von Dr. Ott näher zu bringen - im Sozialen wie in der Würzburger Literaturszene. Die Preisträgerin gab den Dank weiter an Familie, alle Mitstreiterinnen, alle Nachwuchs-Autoren, die sie erst auf den Plan gerufen hätten und an alle Menschen in der Stadt, die sich auch unkonventionellen Projekten gegenüber aufgeschlossen zeigten.

Mit Johannes Hepp wurde zudem ein in Unterfranken geborener junger Holzbildhauer ausgezeichnet, der einige Jahre Wahl-Würzburger war und in dieser Zeit viele mit seiner hintersinnigen, oft tragisch-komischen Darstellung des Menschseins berührte und begeisterte. Eines seiner markanten Werke gehört mittlerweile zur Städtischen Sammlung im Museum im Kulturspeicher.

Laudator Hans Schödel lernte erst ein Werk Hepps kennen - einen mit Kettensäge und feinerem Werkzeug aus einem Holzblock befreiten Bären-Mann - später dann den Künstler hierzu. Die Freundschaft, die heute beide verbindet, erlaubte persönli-che Anmerkungen und Interpretationen der Werke. Wenn man zum Beispiel wisse, dass Hepp Vegetarier ist, was wolle er uns dann mit dem Mann sagen, der auf eine pendelnde Weißwurst starrt, fragte Schödel und beschrieb die lebendige Aura der Arbeiten: „Man begegnet den Figuren, man betrachtet sie nicht nur.“ Hepp zeigte sich erfreut über die Auszeichnung. Das Künstlerdasein sei meistens ein sehr einsames Geschäft, eine solche Anerkennung und die freundlichen Worte an einem solchen Abend seien da ein willkommener Ausgleich.

Johannes Liepold am Sopransaxofon und Nikolaus Jira am Flügel nahmen den ausgezeichneten Musikern zumindest noch einen Teil der Arbeit ab und sorgten als zweites Duo des Abends mit ihren Arrangements für die Umrahmung des Festakts, der bei Häppchen des Städtischen Casinos im Foyer seinen kommunikativen Aus-klang fand.


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