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Gedenken an den 16. März 1945: Europa als eine Lehre aus Tod und Schrecken

„Die Toten zu ehren, das heißt, auf die Toten zu hören, die zum Einsatz für den Frieden mahnen“, mit diesen Worten schloss Oberbürgermeister seine Rede vor dem Würzburger Hauptfriedhof, am Mahnmal für die Opfer des 16. März 1945.

16. März 2019
16. März 2019 Bild: Georg Wagenbrenner
Gemeinsames Erinnern: Oberbürgermeister Christian Schuchardt, Bürgermeister Dr. Adolf Bauer und Bürgermeisterin Marion Schäfer am von Fried Heuler gestalteten Mahnmal für die Opfer des 16. März vor dem Würzburger Hauptfriedhof. Die Zeremonie wie auch den anschließenden Weg der Versöhnung zur Handwerkskammer für Unterfranken begleiteten auch Gäste aus Polen und Frankreich.
74 Jahre nach der für Würzburg verheerenden Bombennacht, in der etwa 4000 Menschen verbrannten, erstickten oder von Trümmern erschlagen wurden, stand der Veranstaltungsreigen zahlreicher Akteure der Erinnerungskultur unter dem Motto und der Beschreibung des Zeitzeugen Dr. Gustav Bömke „Die Ruinen starrten in den Himmel“. Gottesdienste, Ausstellungen, musikalische Darbietungen, Theater, Vorträge oder auch der inzwischen 25. Gedächtnislauf: all diese Formate blickten aber nicht nur zurück auf das „Grab am Main“, sondern bemühten sich vielmehr, Brücken zu schlagen in die Gegenwart und Konsequenzen für die Zukunft  abzuleiten. 

Passend zu diesem Ansatz erhielten der Oberbürgermeister und seine beiden Vertreter Bürgermeister Dr. Adolf Bauer und Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake bei der zentralen Gedenkveranstaltung Unterstützung von ganz jungen Würzburgerinnen und Würzburgern. Die Klasse 3a der Grundschule Lengfeld hatte sich zusammen mit den Lehrkräften und Stadtheimatpfleger Dr. Hans Steidle Zukunftswünsche zum 16. März überlegt. Der Beitrag der Schulkinder war sicher ein emotionaler Höhepunkt an einem Tag, an dem auch unter dem Motto „Nie wieder Krieg!“ auf die Arbeit der Friedenspreisträger in den vergangenen 25 Jahren zurückgeblickt wurde. Bei der Veranstaltung des Komitees Würzburger Friedenspreis im Rathaus sprach Schuchardt ein Grußwort und lobte, dass man bisher bei der Auswahl der Preisträger eine sehr glückliche Hand gehabt habe. Zahlreiche Institutionen und Einzelpersonen belegten, dass man am Projekt Frieden auch im Sinne einer Graswurzelbewegung „von unten her“ viel erreichen kann und nicht nur auf den höchsten politischen Ebenen. 

Am Vormittag hatte Schuchardt am vor zwei Jahren neu gestalteten Denkmal zum 16. März diesen schwärzesten Tag in Würzburgs Geschichte historisch eingeordnet. Der Bombenangriff gegen Ende des Zweiten Weltkriegs hatte eine Vorgeschichte - eben in diesem Krieg und beispielsweise auch dem deutschen Luftangriff auf Coventry. Vom NS-Regime wurden zudem fern aller Frontverläufe millionenfach Verbrechen an der Zivilbevölkerung verübt. In den Jahren nach 1933 herrschte in Deutschland zunehmend ungezügelter Nationalismus, Hass und Rassismus. 

Schuchardt arbeitete in seiner mahnenden Rede die zeitliche Nähe der Gedenkver-anstaltungen zur Europawahl heraus: „Wir haben das große Glück, seit nunmehr 74 Jahren in Frieden zu leben.“ Die Europäische Union sei dafür der wichtigste Garant: „Lassen Sie uns Europa stärken und das erfolgreichste Friedensprojekt in der Geschichte der Menschheit entschlossen fortsetzen!“ 

Den vielstimmigen Schlussakkord dieses Gedenktags bildete einmal mehr von 21:20 Uhr bis 21:40 Uhr das Mahnläuten der Kirchen in Würzburgs Innenstadt, wo vor 74 Jahren unvorstellbare 927 Tonnen Bomben ein 2000 Grad heißes Feuer entfachten.

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