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Zweiter Runder Tisch in Corona-Zeiten: Wie sichert man das Überleben von Clubs, Buchhandel oder Galerien?

Im Sitzungssaal des Rathauses fand auf Einladung von Oberbürgermeister Christian Schuchardt und Kulturreferent Achim Könneke ein inzwischen zweiter Runder Tisch statt mit dem Ziel auszuloten, welche Schritte und Hilfen die Kulturschaffenden in Würzburg in der Corona-Krise unterstützen können.

Während beim ersten Runden Tisch im Mai mit städtisch geförderten Freien Kultureinrichtungen beraten wurde, lag der Fokus diesmal auf der Clubszene, dem Buchhandel oder auch Galerien, die über ihre Situation und Perspektiven berichteten. Mit den Landtagsabgeordneten Volkmar Halbleib und Manfred Ländner (Patrick Friedl ließ sich durch einen Mitarbeiter vertreten) und einer Reihe von Stadträten konnte man sich auch über die Eckpunkte des am 1. Juli bekannt gegebenen neuen bayerischen Hilfsprogrammes für kulturelle Spielstätten austauschen. Auch von Seiten des Bundes wurden ganz aktuell weitere Millionen zur Existenzsicherung in Aussicht gestellt, doch es bleiben laut Antje Molz vom Dachverband der Freien Würzburger Kulturträger zahlreiche Selbständige, die aktuell durch diese Netze fallen.

Neben Bund und Freistaat sieht sich auch die Kommune in der Pflicht, eigene Beiträge zur Bewältigung der Krise zu leisten, die Tausende wirtschaftliche Existenzen in der Stadt gefährdet: „Macht es einen Unterschied, ob die Lesung einer Autorin in der Stadtbücherei stattfindet oder im Buchladen?“, gab Oberbürgermeister Schuchardt ein Beispiel dafür, dass „Kultur“ in Würzburg ein weites Feld ist und von vielen Instanzen getragen wird - auch von kommerziell ausgerichteten Anbietern. Kulturreferent Achim Könneke machte deutlich, dass „Clubs, Buchhandlungen und Galerien und andere kommerzielle Einrichtungen selbstverständlich wichtige Eckpfeiler unserer vielfältigen Würzburger Kulturlandschaft sind, die für die Bürgerinnen und Bürger ebenso wichtige Orte der Sinnstiftung, Orientierung und des gemeinschaftlichen Erlebens sind, wie Museen oder Theater.“

Die Verantwortlichen von MS Zufriedenheit, Dornheim oder Zauberberg dankten für diesen erweiterten städtischen Kulturbegriff und gaben einen Einblick in ihre Sorgen und Nöte. Kurzarbeit und Soforthilfe machten ein Überleben bisher möglich, doch die Umsatzeinbußen gegenüber den Vorjahreswerten liegen bei bis zu 80%. Clubs mit Außengastronomie können sich mit Mühe wirtschaftlich über den Sommer retten. Die Perspektive für den klassischen Club-Betrieb in geschlossenen Räumen bleibt jedoch düster. Ohne baldige Perspektive eines regulären Betriebs würden einzelne Clubs bald aufgeben müssen. Oberbürgermeister Schuchardt sagte zu, Anträge auf Ausweitung der Flächen zur Außengastronomie wohlwollend prüfen zu wollen, auch wenn beispielsweise beim Lärmschutz Eingriffe grundsätzlich sensibel abgewogen werden müssen. Eine weitere konkrete Anregung war, die Übernahme von Künstlergagen. Aktuell seien Künstlergagen für Biergärten oder Clubs ein zusätzliches Kalkulationsrisiko, aber natürlich würde man den Besuchern gerne weiterhin solche Highlights bieten.

Was könnten weitere Erleichterungen sein? Eine kompetente Beratung zu den einzelnen Förderangeboten wäre für die meisten Geschäftsleute oder auch für Selbst-ständige ein Segen. Ein großes Problem ist, dass sich viele Hilfsprogramme gegenseitig ausschließen. Hier müsste vor allem auch das neueste Spielstätten-Programm nachgebessert werden. So segensreich ein Programm für bisher nicht geförderte Freie Spielstätten sei, der pauschale Ausschluss öffentlich geförderter Spielstätte ist zu überdenken. Es sollte im Sinne der Einrichtungen möglichst immer das weitreichendere greifen, gab Schuchardt der Bundes- und Landespolitik zur Nachjustierung mit auf den Weg.

Die Würzburger Buchhandlungen scheinen die Krise bisher mit einem dicken blauen Auge zu überstehen, berichtete Elisabeth Stein-Salomon. Ihre Buchhandlung Knodt nähere sich beispielsweise im Bereich Belletristik wieder den Verkaufszahlen vor Corona, Fachbücher und wissenschaftliche Arbeitsmaterialien würden allerdings derzeit kaum nachgefragt, auch weil sich die Abläufe im Studium durch Online-Seminare etc. komplett verändert haben. Hier verzeichnen alle Würzburger Fachbuchhandlungen empfindliche Einbußen.

Nur dank mehrerer Standbeine sieht sich auch das Kunsthaus Michel derzeit in einer vergleichsweise akzeptablen Situation. Die handwerklichen Dienste, die man anbieten kann, helfen die Ausfälle bei den Verkäufen von Kunst abzufedern. Zugleich wies Gerd Michel auf die katastrophale Lage vieler Bildenden Künstlerinnen und Künstler hin und schlug vor, mehr öffentliche Ausstellungsflächen anzubieten.

Insgesamt wurde der konstruktive Austausch sehr begrüßt. Die Herausforderungen sind und belieben vielschichtig und verlangen sehr differenzierte Maßnahmen sowohl vom Bund, vom Freistaat und der Kommune. Verabredet wurde, sich weiter auszutauschen, um sowohl strukturelle als möglichst pragmatisch auch individuelle Hilfestellungen zu erarbeiten und auf den Weg zu bringen.

07.07.2020


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