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Stadt Würzburg und Markt Reichenberg schließen Vereinbarung: Gemeinsamer Gewässer- und Hochwasserschutz

In der Nacht vom 29. auf den 30. Mai 2016 fielen in wenigen Stunden so massive Niederschläge, dass sich große Massen an Wasser und Schlamm unaufhaltsam den Weg von den Feldern über die Straßen bahnten und massive Überschwemmungen im Reichenberger Ortsteil Fuchsstadt verursachten. Auch im Bereich des Heigelsbachs kam es zu sehr hohen Wasserständen und Schäden.

Kooperation Reichenberg Hochwasserschutz
Kooperation Reichenberg Hochwasserschutz
Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung in der Grafeneckartstube der Stadt Würzburg, v.re. 1. Bürgermeister Markt Reichenberg Stefan Hemmerich und von der Stadt Würzburg Oberbürgermeister Christian Schuchardt und Klimabürgermeister Martin Heilig. Foto (c): Claudia Lother

Der auch Zwischengemäuerbach genannte Heigelsbach entsteht aus dem Zusammenfluss von Fuchsstädter und Reichenberger Bach und mündet im Würzburger Stadtteil Heidingsfeld in den Main. Teile Heidingsfelds liegen im Überschwemmungsgebiet des Mains. Dieses Gewässersystem ist für solche gravierenden, gemarkungsübergreifenden Auswirkungen von Starkregen wie im Mai 2016 besonders anfällig. Hochwasserschutz muss daher auf beiden Gemarkungen umgesetzt werden, sinnvollerweise parallel.

Die Stadt Würzburg und der Markt Reichenberg haben daher eine Kooperationsvereinbarung getroffen. Diese hat ein gemeinsames Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzept für den Heigelsbach und seine Zuflüsse Fuchsstädter und Reichenberger Bach und wiederum deren Zuflüsse zum Ziel. In der Kooperationsvereinbarung werden die Zusammenarbeit zwischen Würzburg und Reichenberg geregelt, wie auch die Finanzierung.

Das Konzept wird zudem die Grundlage zur Fortsetzung der Hochwasserschutz-Maßnahmen am Main in Heidingsfeld bilden. Des Weiteren hängt ein wichtiges Verkehrsinfrastrukturprojekt, die gemeinsam geplante Erstellung einer qualitativ hochwertigen und sicheren Radwegeverbindung zwischen dem Markt Reichenberg und der Stadt Würzburg, eng mit dem Heigelsbach zusammen, da eine Wegeführung in dessen Tallage erfolgen muss. Für die weitere Ausarbeitung der bisherigen Grobplanungen im Sinne einer Machbarkeitsstudie sind zunächst konkrete Aussagen erforderlich, welche Maßnahmen zur Gewässerentwicklung und zum Hochwasserschutz vorzusehen sind, um einen möglichen Radwegebau eng auf diese Belange abzustimmen. Auch hierzu wurden weitere Schritte und eine enge Abstimmung im Kooperationsvertrag vereinbart.

Oberbürgermeister Christian Schuchardt freut sich über die Kooperation, die beiden Kommunen effektiven Hochwasserschutz, die Aufwertung der Fließgewässer, nachhaltigen Umgang mit Niederschlagswasser und die Ausweitung des Erosionsschutzes bringen soll: „Die Natur verbindet Würzburg und Reichenberg. Wenn wir das Hochwasser- und Sturzflutrisiko effektiv reduzieren möchten, kann dies nur in einer engen, partnerschaftlichen Abstimmung und mit gemeinsamem Handeln erreicht werden.“ Auch für Stefan Hemmerich, 1. Bürgermeister von Reichenberg, ist der Vertrag eine Wegmarke. Die Marktgemeinde wird nun ein erstes Gewässerentwicklungskonzept für den Fuchsstädter, den Reichenberger Bach einschließlich ihrer Zuflüsse Lindbach, Mühlbach und Guttenberger Bach erstellen lassen. „Bei der Gewässerentwicklung profitieren wir von der Erfahrung der Stadt Würzburg und können andererseits unsere Konzepte z.B. für den Umgang mit Starkregen oder die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft beim Erosionsschutz gewinnbringend für das gemeinsame Projekt beitragen“, so Hemmerich. Hauptteil des Marktes Reichenberg ist es, das Gewässerentwicklungskonzept für die Gewässer auf Reichenberger Grund erstellen zu lassen, mit dem eine ökologische Gewässeraufwertung einher gehen wird. Die Stadt hat bereits seit 2017 ein solches Gewässerentwicklungskonzept für die Gewässer III. Ordnung im Stadtgebiet, das auch den Heigelsbach (Zwischengemäuerbach), den Fuchsstädter und den Reichenberger Bach bis zur Gemarkungsgrenze umfasst. Am Integralen Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzept werden beide Kommunen aktiv arbeiten.

Für die Konzepte, die parallel erstellt werden müssen, werden separate Förderanträge gestellt. Der Freistaat Bayern hat sowohl für das Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzept wie auch das Gewässerentwicklungskonzept Förderungen jeweils in Höhe von 75 % der förderfähigen Kosten in Aussicht gestellt. Für die Erstellung des Integralen Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzeptes verbleiben Eigenanteile, die von Würzburg mit 64 % und vom Markt Reichenberg mit 36 % getragen werden. Die Restfinanzierung für das Gewässerentwicklungskonzept obliegt der Kommune Reichenberg.

Wesentliche Ziele des integralen Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzeptes sind die Betrachtung des gesamten Einzugsgebiets der Gewässer und aller drei Handlungsfelder des Hochwasserschutzes (natürlicher Rückhalt, technischer Hochwasserschutz, Hochwasservorsorge); Verbesserungen in den Bereichen Gewässerdynamik, Gewässerqualität, Gewässerökologie, Verringerung der Bodenerosion und des Oberbodenabtrags und die Wiederherstellung des natürlichen Wasserhaushalts; Schutz vor hundertjährlichem Hochwasser für bestehende Siedlungsbereiche. „Der nachhaltige Umgang mit Wasser in den Einzugsgebieten von Würzburg und Reichenberg sind für uns zentrale Anliegen“, fasst Klimabürgermeister Martin Heilig zusammen. „Diese Vereinbarung ist daher nicht nur ein wichtiger Aspekt im klassischen Hochwasserschutz, sondern auch in der ökologischen Aufwertung der gemeinsamen Gewässer von Würzburg und Reichenberg, inklusive der kleinen Zuflüsse auf Reichenberger Gemarkung und damit ein Gewinn für unsere gemeinsame Natur.“

(04.03.2021)


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