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Ilse-Totzke-Straße: Erinnerung an ein Vorbild mit außerordentlichem Mut

Gernot Kassburg kommt aus der Nähe von Bremen, gut 500 Kilometer von Würzburg entfernt. Doch die Entfernung hat ihn nicht abhalten können, der Benennung einer neuen Straße in Würzburg nach seiner Tante Ilse Totzke beizuwohnen.

 

Penning-Lother
Gernot Kassburg, der Neffe von Ilse Totzke, Stadträtin Benita Stolz, Oberbürgermeister Georg Rosenthal, Jutta Körner.

Ein Herzensanliegen sei es ihm, erklärte er, denn er habe erst vor wenigen Jahren von seiner Tante erfahren. Auch dem Stadtrat, dem Arbeitskreis Stolpersteine und Oberbürgermeister Georg Rosenthal war es eine Herzensangelegenheit, mit der Straßenbenennung an Ilse Totze zu erinnern, deren Name bis heute in Würzburg vergessen schien. Dabei hat Ilse Totzke in der Zeit des Nationalsozialismus unter Lebensgefahr mindestens zwei Frauen das Leben gerettet.

Ilse Totzke wurde am 4. August 1913 in Straßburg geboren und lebte von 1932 bis 1943 in Würzburg. Hier wurde sie wegen ihrer Kontakte zu Juden denunziert und ins Konzentrationslager Ravensbrück deportiert. Von dort aus kam sie nach Auschwitz, wurde nach Ravensbrück zurücküberstellt und dort im April 1945 befreit. Sie lebte schließlich bis 1954 in Paris, zog dann aber wieder nach Würzburg und stellte einen Wiedergutmachungsantrag. Ein Jahr später zog sie nach München, wo das zuständige Entschädigungsamt seinen Sitz hatte, doch das Verfahren zog sich hin. Im März 1957 schrieb sie aus Karachi, man möge ihr doch endlich das ihr noch zustehende Geld nach Pakistan anweisen, wo sie sich zu Studienzwecken aufhalte. Danach klafft in ihrer Biografie eine Lücke bis zu ihrem Tod in Haguenau am 23. März 1987.

1995 wurde Ilse Totzke von Yad Vashem, der „Gedenkstätte der Märtyrer und Helden des Staates Israel im Holocaust“ als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt. Im offiziellen „Lexikon der Gerechten unter den Völkern“ heißt es dazu, ihr „selbstloser Rettungsversuch [sei] vielleicht einer der herausragendsten  Fälle aufrichtigen Widerstands einer Deutschen gegen die nationalsozialistische Verfolgung der Juden“.

„Mit der Benennung dieser Straße nach Ilse Totzke“, sagte Oberbürgermeister Georg Rosenthal in seiner Ansprache, „halten wir die Erinnerung an eine Bürgerin unserer Stadt wach, die im sogenannten Dritten Reich mit außerordentlichem Mut gegen eine menschenverachtende Politik opponiert und Menschen geholfen hat, die schuldlos, nur wegen ihrer jüdischen Abstammung, ausgegrenzt, entrechtet und verfolgt wurden. Sie hat gezeigt, dass jeder Mensch im Angesicht des Bösen die freie Wahl hat, sich für das Gute zu entscheiden, und nicht gleichgültig bleiben darf. Deshalb ehren wir sie heute, vier Tage vor ihrem 100. Geburtstag, in dem wir diese Straße nach ihr benennen.“

Für die Benennung der Straße nach Ilse Totzke hatten sich Stadträtin Benita Stolz vom Arbeitskreis Stolpersteine und Dr. Roland Flade eingesetzt. Jutta Körner hat in jahrelanger Recherche viele bis dahin unbekannte Fakten über Ilse Totzke zusammengetragen.

 

 


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