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Dr. Rotraud Ries verlässt Johanna-Stahl-Zentrum

Wer etwas über die jüdische Geschichte in Unterfranken wissen möchte, kommt am „Johanna-Stahl-Zentrum“, einer Kooperation der Israelitischen Kultusgemeinde, des Bezirks Unterfranken und der Stadt Würzburg nicht vorbei. 

Dr. Rotraud Ries verlässt Johanna-Stahl-Zentrum
Dr. Rotraud Ries verlässt Johanna-Stahl-Zentrum
Bild: (von links): Dr. Josef Schuster, Gemeindevorstand der Israelitischen Kultusgemeinde und Präsident des Zentralrates der Juden, Eva Maria Linsenbreder, stellvertretende Bezirkstagspräsidentin, Achim Könneke, Kulturreferent der Stadt Würzburg, Bezirksheimatpfleger Prof. Dr. Klaus Reder, Oberbürgermeister Christian Schuchardt und Dr. Axel Metz, Leiter des Stadtarchivs Würzburg. Foto: Christian Weiß

In den Räumen des Archivs befindet sich nicht nur eine systematisch aufgestellte Fachbibliothek zur jüdischen Geschichte und ein Archiv, in dem Quellen, Sammlungen und Deposita aus dem jüdischen Unterfranken aufbewahrt werden. Viele Angebote und Informationen der jüdischen Geschichte sind auch online verfügbar. 

„Ihnen ist es innerhalb der vergangenen Jahre mit einem kleinen Team gelungen, neue Impulse zu setzen, das Zentrum stärker in der Region zu verankern und überregional sichtbar zu machen“, würdigte Oberbürgermeister Christian Schuchardt in einer kleinen Feierstunde die Leistungen von Dr. Rotraud Ries, die nun nach 13 Jahren als Leiterin des Zentrum in Ruhestand geht.

In diesen 13 Jahren sind unter anderem zwölf Ausstellungen und 25 Publikationen entstanden. Dazu gehören die Biographie über David Schuster oder der erste Band der neuen Reihe des Zentrums über die Deportationsgeschichte Unterfrankens, die jeweils mit weiteren Autoren veröffentlicht wurden. Aber auch die Seligsberger-Ausstellung und die Wanderausstellung zum unterfränkischen Landjudentum mit dem Titel „Mitten unter uns“, sowie die Ausstellung mit dem Titel „Jung – jüdisch – unerwünscht“ über die Schicksale der Kinder gehören dazu.

„Sie haben stets jenen eine Stimme gegeben, die unter den Tisch fallen“, betonte Schuchardt. Dazu gehören auch Firmen, Geschäfte oder jene Jüdinnen und Juden, die in der NS-Zeit in die Niederlande emigriert sind. Mit ihrer Fähigkeit zum Netzwerken hat Ries aber auch zahlreiche Kooperationen mit Gedenkeinrichtungen, Kommunen, Vereinen oder Einzelpersonen geschaffen, ohne die so manches Projekt nicht umgesetzt worden wäre. Dies macht sich auch in der Erinnerungskultur bemerkbar – sei es bei der Errichtung einer Gedenkstele am Kaisergärtchen oder beim Denkort Deportationen.

Eine der wichtigen Aufgaben des Zentrums ist die Gedenkarbeit. So hat Ries während der Besuchswoche 2012, als die Stadt erstmals die noch lebenden Jüdinnen und Juden, die Würzburg während der NS-Zeit verlassen mussten, nach Unterfranken eingeladen hatte, dafür gesorgt, dass diese Zeitzeuginnen und Zeitzeugen interviewt werden und so ihr Zeugnis der Nachwelt erhalten bleibt.

Für ihr Engagement in der Erinnerungskultur dankte auch der Hausherr Dr. Josef Schuster, Gemeindevorstand der jüdischen Gemeinde Würzburg und Präsident des Zentralrates der Juden. „Unsere Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist für die Zukunft“, unterstrich Schuster die Bedeutung der Erinnerungskultur.

„Sie haben in den vergangenen 13 Jahren hier einiges bewirkt“, so auch die stellvertretende Bezirkstagspräsidentin Eva Maria Linsenbreder: „Ihnen ist es zu verdanken, dass das Zentrum weit über die Grenzen Unterfrankens hinaus bekannt ist.“ Dem stimmte auch Würzburgs Kulturreferent Achim Könneke zu: „Das Johanna-Stahl-Zentrum ist einer der Fixsterne der jüdischen Forschung in Unterfranken mit einer Ausstrahlung weit darüber hinaus.“

Für die Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren dankte Ries allen Unterstützern und machte gleichzeitig noch einmal ihr Arbeitscredo deutlich, dem sie in den vergangenen Jahren wie auch bei der Umbenennung des jüdischen Dokumentationszentrums vor elf Jahren in Johanna-Stahl-Zentrum gefolgt ist: „Es geht nicht um große Männer, sondern um die breite Gesellschaft.“
 

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