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Inge Dick ist sechste Preisträgerin des Peter C. Ruppert Preises für Konkrete Kunst in Europa

Inge Dicks Wirken gehört und folgt dem Licht. Die immaterielle Substanz möchte sie mit Hilfe der Fotografie und Kunst sichtbarmachen.

Peter C. Ruppert Preis
Peter C. Ruppert Preis
Die Fotografin vor ihrem Projekt "Jahreszeitenzyklus". Foto (c): Claudia Lother

Dabei nähert sie sich dem Phänomen Licht auch mithilfe der Zeit, einer weiteren unsichtbaren Existenz, auf wissenschaftlich-forschende Weise. Sie fotografiert beispielsweise über Tages- und Jahreszeiten hinweg immer wieder die gleiche weiße Fläche, auf die sie das Tageslicht scheinen lässt. Mit ihrem „Jahreszeitenzyklus“, der als Leihgabe der Galerie Renate Bender München derzeit im Museum im Kulturspeicher zu sehen ist, beweist sie, dass Licht farbliche Substanz besitzt – und zwar wechselnde Farben je nach Tages- und Jahreszeit.

„Sie hält den Zauber der Sekunde fest und zeigt, dass jeder Moment kostbar ist und jeder Augenblick flüchtige Schönheit“, würdigte Laudatorin Dr. Gerda Ridler Inge Dicks Werk bei der Verleihung des Peter C. Ruppert Preises im Kulturspeicher im Würzburg. Inge Dick nähert sich mit Fotoapparat oder Farbe mit Konsequenz dem Geheimnis des Lichts. „Ihr Oeuvre ist stringent und ein grundlegender Beitrag zur Konkreten Kunst, in der sie eine internationale bedeutende Position einnimmt. Sie ist die wichtigste Lichtbildnerin unserer Zeit“, so Ridler.

Inge Dicks erste Hochzeitsreise führte sie 1962 in ein zenbuddhistisches Zentrum, wie Gerda Ridler in einem Nebensatz erwähnte. Tatsächlich scheinen die zenbuddhistischen Grundsätze, das Erleben des gegenwärtigen Augenblicks, die Aufhebung der Trennung von Innen- und Außenwelt, der Weg als Ziel weit mehr als ein Nebensatz in Inge Dicks Schaffen zu sein. Das Licht ist der rote Faden, der sich durch ihr gesamtes Oeuvre verfolgbar zieht. Und doch scheint diese Konsequenz, diese Beharrlichkeit einem höheren Ziel unterstellt, denn ihr Werk erzeugt die von ihr gewünschte Resonanz und berührt den Betrachter tief. Ihre Fotografie und Malerei können helfen, Einsicht zu erringen und Zusammenhänge des Lebens zu verstehen. Zusammenhänge, deren Basis Licht und winzige, farblich unterschiedliche Details sind, wie in „bleu du ciel“.

„Inge Dick ist immer der inneren Notwendigkeit gefolgt“, sagt Gerda Ridler daher auch konsequenterweise. „Und hat auf den Kunstmarkt nie Rücksicht genommen.“ Daher hätte sie bis ins hohe Alter auf wichtige Auszeichnungen warten müssen. Wie den Peter C. Ruppert Preis, als dessen überaus würdige und höchstverdiente Preisträgerin sich Inge Dick erweise, so Museumsdirektorin Luisa Heese: „Ein halbes Jahrhundert greift Inge Dick das Thema des Lichts und der Zeit immer wieder auf und kommt ihm neu auf die Spur. Sie fängt ein, was wir nicht sehen können.“ Sie stelle sich der Frage nach Wahrnehmungsphänomenen und untersuche diese in Farbe, Fläche, Form, ganz den Prinzipien der Konkreten Kunst folgend.



Oberbürgermeister Christian Schuchardt, der den mit 15.000 dotierten Preis an Inge Dick überreichte, betonte bei dem Festakt die besondere Beziehung der Stadt Würzburg zum Sammlerehepaar Rosemarie und Peter C. Ruppert, die mit dem Einzug ihrer Sammlung in das Museum im Kulturspeicher im Jahr 2002 begann. „Waren es bis dahin vor allem Künstler wie Riemenschneider und Tiepolo, die mit Würzburg in Verbindung gebracht wurden, hat sich die Stadt inzwischen zu einem wichtigen Zentrum für die konkrete Kunst entwickelt. Dies ist Peter C. Ruppert und Ihnen, liebe Frau Ruppert, zu verdanken, die in einem halben Jahrhundert Sammlungstätigkeit eine der profiliertesten Sammlungen dieser international so wichtigen Kunstströmung zusammengetragen haben und sie in Würzburg dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich machen. Im Geiste ist Herr Ruppert auch heute Abend bei uns.“ Die österreichische Künstlerin Inge Dick nahm die Auszeichnung aus seinen Händen mit großer Dankbarkeit und in aller Bescheidenheit entgegen und erklärte Interessierten direkt vor Ort ihre künstlerische Vorgehensweise.

Europa stand von Beginn an im Zentrum der Ruppert-Sammlung. „Ihr Begründer, Peter C. Ruppert, war ein Sammler aus Passion, dessen Leidenschaft auf großer Sachkenntnis fußte. Sie war die Basis für die herausragende künstlerische Qualität der Sammlung, die international ihresgleichen sucht. Für Würzburg ist es ein Glücksfall, sie seit 20 Jahren hier zeigen zu können“, so Schuchardt.

Mit dem Preis Peter C. Ruppert für Konkrete Kunst in Europa wurde eine der wichtigsten – wenn nicht sogar die wichtigste – Auszeichnung für konkret arbeitende Künstlerinnen und Künstler in Europa geschaffen. Der Peter C. Ruppert Preis wurde bisher verliehen an François Morellet (2008), Heijo Hanen (2011), Dóra Maurer (2013), Hans Jörg Glattfelder (2016), Norman Dilworth (2019), Inge Dick (2022). Musiker Arseniy Strokovskiy begleitete den Festakt auf dem Akkordeon mit beeindruckenden Stücken von Sofia Gubaidulina, Jürgen Ganzer, Ole Schmidt und Zoran Bozanic. Die Stücke hatte er nach intensiver Beschäftigung mit Inge Dicks Werk ausgewählt.

(21.11.2022)


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