Erste Hilfe leisten: So geht’s

Internationaler „Tag der Reanimation“ – Passanten konnten die Wiederbelebung üben

Tag der Reanimation
Tag der Reanimation
Oberbürgermeister Martin Heilig übt die Reanimation einer verunglückten Person an einer Puppe am Internationalen Tag der Reanimation am Oberen Markt unter Anleitung von Joachim Gold (re., Malteser Hilfsdienst e.V.) und Harald Rehmann (Leiter des Amts für Zivil- und Brandschutz). Foto: Claudia Lother

Jeder kann ein Leben retten, egal wie alt und wo. Daran erinnerte auch in diesem Jahr wieder der „Tag der Reanimation“, der internationale „World Restart a Heart Day“. Bereits zum zweiten Mal bot die Würzburger Blaulichtfamilie an einem 16. Oktober die Gelegenheit, am Oberen Markt, Unbehagen und Unsicherheiten zu überwinden und die so wichtige Reanimation an Puppen zu üben.

Mit gutem Beispiel ging Oberbürgermeister Martin Heilig voran. Joachim Gold, ehrenamtlicher Stadtbeauftragter des Malteser Hilfsdienstes e.V. rief dem Stadtoberhaupt wieder den Weg von der Ansprache einer verunglückten Person ins Gedächtnis, über die Herzdruckmassage bis zur Beatmung und sogar dem Einsatz des Defibrillators, der den Helfenden per automatisierter Sprachausgabe durch die Anwendung am Patienten führt. 30 Mal in gleichmäßig schnellem Rhythmus (zur imaginären  Musik von „Staying alive“ oder „Jingle Bells“) mit fest aufgesetzten Handballen etwa fünf bis sechs Zentimeter tief den Brustkorb des Patienten drücken und danach durch die Nase beatmen: „Diese niedrigschwellige Möglichkeit, den Ernstfall zu üben, hat mir auch persönlich wieder vor Augen geführt“, so Oberbürgermeister Martin Heilig, „wie wichtig es ist, Erste Hilfe und Reanimationen zu trainieren. Denn bei einem unvermuteten Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute. Ich kann jede und jeden nur aufrufen, solche Gelegenheiten zu ergreifen, um im Ernstfall nicht untätig bleiben zu müssen. Man kann auch gar nichts falsch machen.“

Mit einer unmittelbar nach dem Stillstand erfolgten Herzdruckmassage kann in bis zu 50 Prozent der Fälle eine Rückkehr zum selbstständigen Herzschlag erreicht werden – und nur, weil man beherzt hilft. Das bedeutet, die Überlebensrate verdoppelt sich. Das muss man sich vor Augen halten, anstatt Bedenken zu haben. „Jeder kann und muss helfen, man kann dabei auch keinen Fehler machen. Der einzige Fehler ist, nichts zu tun“, bekräftigt Harald Rehmann, Leiter des Amts für Zivil- und Brandschutz. Dass die Herzdruckmassage für Helfer durchaus körperlich anstrengend werden kann, erlebte so mancher. „Nicht nur hier gilt“, so die Empfehlung auch von Joachim Gold an den OB, „andere Personen dazu rufen, die abwechseln und in der Zwischenzeit den Notruf absetzen!“ Also erst: Wiederbelebung starten, dann die 112 wählen. Bei einer defibrillierbaren Herzrhythmusstörung liegt die Überlebenschance sogar bei bis zu 95 Prozent, wenn innerhalb der ersten drei Minuten defibrilliert wird. Im Würzburger Stadtgebiet gibt es rund 70 Defibrillatoren, ihre Standorte sind dem Geostadtplan der Stadt Würzburg unter dem Suchpunkt „Gesundheit“ und „Erste Hilfe“ zu entnehmen: https://geostadtplan.wuerzburg.de/externer Link. Auch diese Standorte sollte man grob kennen – oder im Fall der Fälle abrufen können.

Unter dem Motto „Jeder kann ein Leben retten“ luden die Feuerwehr Würzburg, das Klinikum Würzburg Mitte und die Würzburger Hilfsorganisationen die Bevölkerung ein, am 16. Oktober an dieser praxisnahen Aktion in der Innenstadt teilzunehmen und selbst tätig zu werden. Vor Ort folgten die Passanten an mehreren Übungsstationen dem Beispiel des Oberbürgermeisters und übten die lebensrettenden Maßnahmen unter professioneller Anleitung und frischten ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse auf. Es gab sogar die Möglichkeit, direkt über eine telefonische Verbindung zur Integrierten Leitstelle durch die Reanimation geführt zu werden.

An den Infoständen der beteiligten Organisationen gab es zudem umfassende Informationen rund um das Thema Erste Hilfe und Wiederbelebung. Ziel der Initiative „World Restart a Heart Day“ ist es, die Menschen für die lebensrettende Bedeutung der Herz-Lungen-Wiederbelebung zu sensibilisieren und ihnen die Möglichkeit zu geben, die Angst vor dem Eingreifen abzulegen.

Zu den lebensrettenden Sofortmaßnahmen zählen z. B.:

-           Absichern der Unfallstelle

-           Ansprechen der verunglückten Person

-           Retten aus der Gefahrenzone

-           Feststellen, ob die Person atmet oder bewusstlos ist

-           Notruf absetzen, dann je nach Situation:

-           Herz-Lungen-Wiederbelebung

-           Blutstillung

-           Schockbekämpfung

-           Herstellung der stabilen Seitenlage

Wurden die Sofortmaßnahmen durchgeführt und der Notruf informiert, muss der Betroffene weiter betreut und versorgt werden.

Weitergehende Hilfeleistungen sind z. B.:

-           Beruhigender Zuspruch, trösten, ermutigen.

-           Sachgerechte und bequeme Lagerung.

-           Ruhigstellung von Knochenbrüchen.

-           Anlegen von Verbänden.

Wenn dann der Rettungswagen kommt: Mit der ärztlichen Versorgung und der pflegerischen Betreuung im Krankenhaus endet die Rettungskette.

Auch wichtig: Erste-Hilfe-Kurse auffrischen, die von den beteiligten Rettungsdiensten immer wieder angeboten werden.


(20.10.2025)

>>> zurück