6. Standesbeamtentag in Würzburg
Was ein Standesbeamte so macht? Im Rathaus viele Brautpaare trauen natürlich! Heinz Zimmermann ist nicht böse über dieses Vorurteil, denn für die allermeisten ist dies eine positive Assoziation und ein guter Gesprächseinstieg, jedoch: „Ich habe es einmal ausgerechnet. Das sind nur etwa vier Prozent meiner Arbeitszeit.“ Am Rande des 6. Standesbeamtentages in Würzburg gibt der Berliner Standesbeamte zusammen mit weiteren Vertretern des Bundesverbands der deutschen Standesbeamtinnen und Standesbeamten e.V. einen Einblick in seinen Beruf und die aktuellen Herausforderungen in den Kommunalverwaltungen.
Themen der Tagung waren etwa Anwendungsprobleme im neuen Namensrecht, ein aktueller Sachstand zur Umsetzung des Identifikationsnummerngesetzes oder an vielen Stellen die Herausforderungen der Digitalisierung und die Überwindung von Systembrüchen national wie international.Â
Der Bundesverband hat seinen Sitz in Bad Salzschlirf und hier ist auch der zentrale Ort für Ausbildungsmodule und Workshops in einem Gebiet, das auch in den Rathäusern eine Sonderstellung einnimmt. „Standesbeamte haben kaum mit öffentlichem Recht zu tun, sondern vielmehr mit privatem Recht“, erklärt Zimmermann: „Es ist eine Tätigkeit, die der Arbeit von Notaren ähnelt“.Â
Nicht nur Hochzeiten werden mit einer Urkunde bestätigt, auch Geburten, Scheidungen oder Sterbefälle. Weil die Menschen immer mobiler werden und ihr Geburtsland verlassen oder gar in der Welt zu Hause sind, werden auch die zentralen Dokumente des Lebens zu den unterschiedlichsten Zeitpunkten in unterschiedlichsten Rechtsräumen ausgestellt. Daran werden oft keine Gedanken verschwendet, bis etwa ein großes Erbe in der Familie aufzuteilen ist. Dann kann die Frage zentral sein, ob eine Eheschließung des verstorbenen Großvaters, abgehalten durch einen Stammeshäuptling oder bezeugt durch einen Elvis-Imitator, auch wirklich rechtskräftig war. Hier ist nicht selten der detektivische Spürsinn von Standesbeamten gefragt. Sie müssen Dokumente, Gutachten oder Beweise weltweit beschaffen und bewerten. Besonders knifflige Fälle begleiten sie nicht selten länger als ein Jahr. Die unterschiedlichsten Behörden gehen in Austausch, den Botschaften kommt eine wichtige Rolle bei der Klärung zu.
Auch beim Namensrecht gibt es international sehr unterschiedliche Standards. Das deutsche Recht befindet sich im Fluss, um berechtigten, individuellen Wünschen aus der Bevölkerung nachzukommen und gleichzeitig Namen zu legalisieren, die für alle nachvollziehbar bleiben. Der Bundeskongress beschäftigte sich mit Sonderfällen und wünschenswerten Vereinheitlichungen in der kommunalen Praxis.Â
Die rund 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gingen zudem in den Austausch mit der Politik. Dr. Marco Herrmann, Bundesministerium des Inneren und für Heimat, Dr. Christoph Wurm, Bundesministerium der Justiz, sowie der städtische Kultur- und Wirtschaftsreferent Benedikt Stegmayer sprachen im CCW Grußworte. Oberbürgermeister Martin Heilig empfing eine Delegation des Kongresses zu einem Stehempfang im Wenzelsaal des Würzburger Rathauses, der auch als Trausaal gebucht werden kann und bedankte sich dafür, dass man sich für Würzburg als Tagungsort für diesen alle vier Jahre stattfindenden Standesbeamtentag entschieden hatte.
(12.11.2025)