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Ferienjob in Orange: Die Vereinbarkeit von Studium und Müllabfuhr

„Und was hast Du in den Semesterferien gemacht? – Ich war sechs Wochen unterwegs. Mit einem Müllauto der Würzburger Stadtreiniger und habe so meine Haushaltskasse aufgebessert.“ Diesen Dialog könnte man so oder so ähnlich ab Herbst in der Mensa oder in der Unibibliothek hören.

Teamplay gefragt:
Teamplay gefragt: Bild: Georg Wagenbrenner
Feste Mitarbeiter der Stadtreiniger und die Aushilfskräfte beim Gruppenbild vor einem Müllfahrzeug im Betriebshof. Von links: Jasmin Rothenbucher (Sachgebiet Personal) Peter Brand (Müllwagenfahrer) Valentino Garavani, Markus Frank, Christian Reusch (Mülllader), Lisa Hartlieb, Kurt Bader (Abteilungsleiter Abfalldienste), Gerhard Arnold (Mülllader) Katharina Arnold, Laura Paternotte, Benjamin Renninger (Mülllader und Hausmeistervertretung) und Ralf Beck (Mülllader).
Aktuell packen fünf Studierende im Dienst der Stadtreiniger bei der Müllabfuhr mit an. Vielleicht kein typischer Studentenjob, aber es gibt gute Gründe für dieses Engagement. Bei einer kleinen Halbzeitbilanz erklärten die Aushilfskräfte, warum sie sich ausgerechnet für diesen Job entschieden haben, und der Abteilungsleiter für die Abfalldienste Kurt Bader ergänzte, warum man mit entsprechenden Stellenangeboten auf dem Campus und im Internet geworben hatte. Eines haben die Fünf gemeinsam: Sie alle wollten sich im Job körperlich betätigen und nicht herumstehen oder auf einem Bürostuhl sitzen. Dies ist für Bader auch eine wichtige Grundvoraussetzung: „Ein Team aus im Regelfall drei Personen bewegt in einer 8-Stunden-Schicht rund 20 Tonnen Restmüll oder 10 Tonnen Biomüll. Die schwersten Behälter wiegen bis zu 300 kg. Auch die vertrauten Abfalltonnen aus Privathaushalten können bis zu 80 kg auf die Waage bringen. Junge Menschen stecken diese schweren körperlichen Belastungen gut weg, wer aber ein Berufsleben lang diese Leistung bringt, dem sieht man diese täglichen Strapazen auch irgendwann an.“ Und so hat sich nun auch ein sportliches Team eingefunden: mit einem passionierten Langstreckenläufer, einem Basketball-Schiedsrichter und sogar einer Deutschen Meisterin im Fechten. Laura Paternotte studiert Soziale Arbeit und sagt zu ihren neuen „Trainingsgeräten“: „Es ist immer auch eine Überraschung, welches Gewicht sich in einer Tonne versteckt. Manche Papiertonnen sind mit wenigen Kartonagen leicht gefüllt, daneben steht dann eine vollgepresste Tonne, die sich nur mit vollem Krafteinsatz bewegen lässt. Muskelkater ist die ersten Tage garantiert.“

4400 Tonnen Müll fallen im Stadtgebiet Würzburg in nur einem Monat an. Eine Menge, unter der sich die wenigsten gleich konkret etwas vorstellen können. Für Katharina Arnold, die Vermessung und Geoinformatik studiert, waren die Dimensionen, die sich gegen Schichtende im Müllheizkraftwerk beim Entladen zeigen „schon erschreckend“. Neben der reinen Menge, stolpern alle auch regelmäßig über falsche Mülltrennung. Was hat beispielsweise eine Wasserhahn-Armatur im Biomüll verloren? Unter Zeitdruck müssen die Teams entscheiden, ob eine Tonne auch einmal nicht geleert werden kann. 

Weil die Studierenden mit erfahrenen Mülladern auf Tour sind, kommt man schnell in den Job rein und man lernt nach und nach auch die Zusammenhänge kennen. Welche Abfälle in der Verwertung beispielsweise noch einen guten Preis erzielen.

Was haben die erfahren Arbeiter wiederum von den Neulingen? In erster Linie ermöglicht die personelle Verstärkung, dass ein größerer Anteil der 97 festen Mitarbei-ter in der Sommerferienzeit Urlaub nehmen kann. Für alle, die beispielsweise Kinder im schulpflichtigen Alter haben, ein zentrales Anliegen. Die Arbeit im Stadtreiniger-Team ist, auch was die vielen hier vertretenen Nationen angeht, sehr bunt. Mit Valentino Garavani ist nun auch noch ein Römer an Bord. Die Verständigung in den Teams läuft stets auf Deutsch und problemlos. Auch nehme man in den Teams große Rücksicht aufeinander. Natürlich muss jeder im Prinzip die gleichen Arbeiten verrichten, aber nicht vom ersten Tag an. Dass Müllladerinnen und Mülllader nicht immer die gleiche Physis mitbringen, ist logisch und akzeptiert. Unter den Aushilfskräften bilden die Frauen nun sogar die Mehrheit in einer ansonsten weiterhin von Männern dominierten Branche. Sie profitieren aber von der erfolgreichen Pionierarbeit einiger Müllladerinnen, die den Beruf seit mehreren Jahren für die Stadtreiniger ausüben.

Auf der Tour fallen die Frauen in den leuchtenden Arbeitsklamotten dann aber doch besonders auf. Lisa Hartlieb, die gerade ihr Abi in der Tasche hat, bemerkt schon immer wieder erstaunte Blicke oder wird auch direkt angesprochen. Frauen würden mit dieser körperlichen Arbeit, die auch mit Schmutz und unangenehmen Gerüchen verbunden ist, offensichtlich weniger in Verbindung gebracht. Es überwiege aber meist - insbesondere bei den Kindern - einfach eine gewisse Faszination auch für die Fahrzeuge und Technik: „Viele würden gerne selbst mal auf den Trittbrettern mitfahren.“ Bader hat festgestellt, dass die Müllabfuhr seit vielen Jahren von der breiten Bevölkerung besser akzeptiert wird und das einstige Schmuddel-Image losgeworden ist: „Es ist eine harte Arbeit, von der wirklich jeder profitiert. Die Bezahlung ist zudem solide. Studierende jobben sonst oft für deutlich weniger Geld.“ Bei den Stadtreinigern starten Aushilfskräfte bei einem Stundenlohn von über 13 Euro. Über einen spendierten Kaffee freut man sich trotzdem. So passierte es dem Team von Kunststofftechnikstudent Markus Frank bei einem Einsatz auf der Festung. Viele Bürger wissen die Dienste der Stadtreiniger sehr zu schätzen, nur hin und wieder werde es im Straßenverkehr etwas eng und dann passe auch nicht immer die Geschwindigkeit, mit der einige Autos oder Radler noch schnell vorbeihuschen wollen.

Fazit: Trotz Muskelkater und einem frühen Schichtbeginn um sechs Uhr, der natürlich nicht wirklich zum nächtlichen Weggehen einlädt, würden die Aushilfskräfte den Job bei den Stadtreinigern noch einmal machen. „Ihr würdet bei uns auch eine Festanstellung bekommen“, gab Bader diese gute Bewertung mit einem Augenzwinkern zurück. Aber dann bräuchte es im nächsten Sommer ja neue Aushilfen. 

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