Der Krieg ist zurück auf unserem Kontinent

Gedenken an den 16. März 1945 und an die aktuellen Kriegsopfer in der Mitte Europas.

16. März 2023
16. März 2023
Bürgermeisterin Judith Jörg, Oberbürgermeister Christian Schuchardt und Bürgermeister Martin Heilig übergaben das Nagelkreuz und die Versöhnungsstatue an das Dag-Hammarskjöld-Gymnasium. Foto (c): Claudia Lother


Die Stadt Würzburg gedenkt am heutigen 16. März den etwa 3.500 Opfern des Bombenangriffes auf die Domstadt vor 78 Jahren und zugleich den heutigen Opfern des Ukrainekrieges. Der 16. März 1945 stehe exemplarisch für die Grausamkeit und die Sinnlosigkeit des Kriegs, so Oberbürgermeister Christian Schuchardt in seiner Ansprache bei der Kranzniederlegung an der Gedenkstätte 16. März 1945 vor dem Hauptfriedhof.

Ganz gezielt wandte er sich an die Schülerinnen und Schüler des Dag Hammarskjöld-Gymnasiums, die am Ende der Gedenkveranstaltung das Nagelkreuz überreicht bekamen: „Der 16. März ist ein Tag ewiger Trauer in unserer Stadt und ewiger Tag der Mahnung. Wir gedenken heute nicht nur der damaligen Opfer aus unserer Stadt. Wir gedenken der Opfer aus allen Völkern, der Zivilisten und der Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg oder einem der zahllosen anderen Kriege, die es davor und danach gegeben hat, gestorben sind.“


16. März 2023
16. März 2023
Gedenken an die Toten aller Kriege: Oberbürgermeister Christian Schuchardt (m.) und die beiden Bürgermeister Martin Heilig und Judith Jörg legten an der Gedenkstätte 16. März 1945 Kränze nieder. Foto (c): Claudia Lother


Der 16. März 1945 sei ein warnendes Beispiel für die zerstörerischen und tödlichen Folgen von Totalitarismus, Nationalismus und Rassismus. „Erinnerung und Eingeständnis von Unrecht ermöglichen Versöhnung. Aber es ist eine dauerhafte Aufgabe, Gegensätze auszugleichen und Ausgrenzungen zu beenden, auch in unserer Stadt,“ so Schuchardt. Alle Generationen vor den unsrigen hätten mindestens einen Krieg erlebt, in einer langen Friedensperiode hätten wir Aussöhnung mit westlichen und östlichen Nachbarn erreicht, was zur Erwartung führte, dass es auf unserem Kontinent nie wieder Krieg geben würde. Doch dann, mit dem russischen Überfall auf die Ukraine am 24. Februar vorigen Jahres sei das vermeintlich Undenkbare grausame Realität geworden.

Schuchardt betonte die besondere Verantwortung Deutschlands für die Bewahrung der europäischen Friedensordnung und der Unabhängigkeit und territorialen Integrität der Ukraine: „Bilder des verwüsteten Mariupol erinnern an Würzburg nach dem 16. März. Und auch bei hochbetagten Ukrainerinnen und Ukrainern werden traumatische Kindheitserinnerungen wach. Damals wurden dieselben Städte und Dörfer, die heute von russischen Truppen attackiert werden, schon einmal angegriffen und besetzt – von Soldaten der Wehrmacht.“ Gerade mit Blick auf diese jüngere Geschichte dürften Deutsche nicht tatenlos zusehen, wenn heute wieder ein souveränes Land von einem übermächtigen Nachbarn unter Bruch des Völkerrechts angegriffen und in seiner Existenz bedroht werde. „Es geht auch um unsere Zukunft. Es geht um unsere Sicherheit und um die Frage, wie wir zukünftig leben werden.“ Der Versuch Putins, die Herrschaft des Rechts durch das Recht des Stärkeren zu ersetzen, und seine Bereitschaft, Krieg als Mittel der Politik einzusetzen, wann und wo immer dies erfolgversprechend möglich scheine, seien eine ernste Bedrohung für den Frieden in Europa und der Welt.



Oberbürgermeister Schuchardt, der erst vor zwei Wochen die Städte Lwiw und Luzk in der Ukraine besucht und dort Partnerschafts- bzw. Freundschaftsverträge geschlossen hat, bemerkte, dass dort fast jede Familie einen Angehörigen an der Front habe. Allein Lwiw, rund 1.200 Kilometer von Bachmut entfernt, beklage mindestens 285 gefallene Soldaten, viele weitere seien vermisst. „Was wir in Würzburg am 16. März 1945 erlebten, darf sich nicht wiederholen und es wiederholt sich doch. An einem Grab mit 285 gefallenen Soldatinnen und Soldaten zu stehen, macht etwas mit einem und die Bilder des verwüsteten Mariupol erinnern erschreckend an die Bilder Würzburgs. Ich appelliere an jeden, sich für Frieden einzusetzen, sich solidarisch zu zeigen und ich appelliere an Wladimir Putin: Beenden Sie den Krieg, den Sie begonnen haben, und geben Sie Frieden!“

Auch in diesem Sinne rief er insbesondere die Schülerinnen und Schüler des das Dag Hammarskjöld-Gymnasiums dazu auf, den heutigen Tag unter dem Leitgedanken der Nagelkreuzinitiative „Erinnerung bewahren – Versöhnung leben“ zu begehen. Sie erhielten vom Fachbereich Kultur der Stadt Würzburg das Wandernagelkreuz und die Versöhnungsstatue. Kreuz und Statue bildeten die Spitze des Zuges, der sich nach dem Läuten der Versöhnungsglocke auf den Weg der Versöhnung durch die Innenstadt machte.

(16.03.2023)


>>> zurück