Kurzbesuch von OB Schuchardt in Lviv: Städtepartnerschaft erhält weitere Facetten

Im Fokus des Kurzbesuchs von Oberbürgermeister Christian Schuchardt in Lviv stand der Startschuss für den Ausbau des Reha-Zentrums „Unbroken“ in Lviv.

Die intensive Reise erlaubte neben dem Auftakt für dieses DAHW-Projekt auch noch einige weitere Begegnungen und Vertiefungen im Zeichen der jungen Städtepartnerschaft. 

Es ist eine besondere Partnerschaft, weil sie im Krieg eingegangen wurde und dieser noch immer in voller Härte tobt und täglich Opfer fordert. Am ersten Abend besuchte Schuchardt zusammen mit seinem Amtskollegen Andrij Sadovyi den Soldatenfriedhof in Lviv, um als Zeichen des Gedenkens Blumen niederzulegen. Hier kam es zu einem Gespräch mit der Familie eines Gefallenen. Ein Tagesausklang in tiefer gemeinsamer Trauer.

Am nächsten Tag blickte man in die gemeinsame Zukunft und leuchtete neue Kooperationsmöglichkeiten aus. So traf man Vertreter von Don Bosco und sprach insbesondere über das weite Themenfeld Ausbildung. Es gibt bereits Kontakt mit dem Bildungswerk Caritas-Don Bosco in Würzburg.

Beim Besuch der Nationalen Kunstakademie Lviv gab Direktor Vasyl Kosiv einen Gesamtüberblick über die beeindruckenden Aktivitäten von 1400 Studierenden. Unter ihnen sind rund 150 Verwundete, denen mit Kunsttherapie geholfen wird. Die Charkiver Kunstschule wurde zum Großteil nach Lviv verlegt. Mit der Akademie besprach man mögliche Kooperationen. So wäre beispielsweise eine Ausstellung zur Verarbeitung der Traumata in Form von Kunstprojekten denkbar. Die Delegation besichtigte zudem ein Studierendenwohnheim für 400 Bewohnerinnen und Bewohner, in dem mit Mitteln, die der Würzburger Stadtrat als Solidaritätsgeste im März 2022 freigegeben hatte, Badezimmer auf allen Stockwerken eingerichtet wurden, die es bislang nur an einer zentralen Stelle gab.

Über die Besichtigung des Unbroken-Projekts und die Vorstellung des DAHW-Projekts zu Gunsten der Kinder-Rehaklinik hatte die Stadt bereits in einer Pressemitteilung berichtet. Schuchardt zeigte sich beeindruckt: „Das alles in Zeiten des Krieges zu realisieren, ist eine Leistung, die Hoffnung macht. Der Wille zum Aufbau und Wiederaufbau ist beeindruckend und vorbildhaft.“ Mittlerweile wurden über 600.000 Menschen seit Anfang des Krieges zumindest temporär in diesem Zentrum behandelt. Es gelang in kürzester Zeit eine Verzehnfachung der Kapazitäten und dennoch sind aktuell keine Plätze mehr frei. Insgesamt erlitten in der Ukraine über 90.000 Menschen seit Beginn des Angriffskrieges der russischen Föderation Verletzungen, die zu Amputationen führten.

Dieses große Leid rief auch einen neuen Bund an Unterstützern auf den Plan: das Unbroken Cities Network. Schuchardt unterschrieb bei einer kleinen Zeremonie im Rathaus den entsprechenden Letter of Intent im Beisein von Stadträten der Partnerstadt, Personen des öffentlichen Lebens und der Presse. Dem Städtenetzwerk gehören neben Manchester, Liverpool, Aarhus und Lviv weitere Städte an, die bereits Opfer von terroristischen Attacken wurden. Auch NGOs sind hier organisiert und helfen die Traumata in der Stadtgesellschaft zu bewältigen. Oberbürgermeister Andrij Sadovyi dankte den internationalen Partnern für Knowhow und Solidarität. „Wir stehen weiterhin an der Seite der Ukraine und unserer Partnerstadt Lviv. Die Menschen hier sind dankbar für unsere Unterstützung und wahrhaft ungebrochen“, so Schuchardt am Rande der Vertragsunterzeichnung.

Auf Einladung Sadovyis stand am zweiten Abend ein Besuch der historischen Nationalen Oper in Lviv an. Hier wurde ein besonderes Konzert gespielt, zur Feier der ungebrochenen Ukraine unter Schirmherrschaft der First Lady der Ukraine, Olena Selenska, die auch persönlich anwesend war.

Abgerundet wurde das Besuchsprogramm durch einen Dialog mit Rabbi Mordechai Shlomo Bald von der jüdisch-orthodoxen Gemeinde in Lviv. Schuchardt überreichte einen Brief von Dr. Josef Schuster über das Angebot eines Austausches zwischen den beiden jüdischen Gemeinden. Und schließlich wurden auch die Fühler ausgestreckt bezüglich einer zukünftigen Schulpartnerschaft. Mit den Schulleitern der beiden deutschsprachigen Lviver Gymnasien sowie der Schulreferentin gab es ein erstes Treffen und die Übergabe eines Geschenkes des Ursulinengymnasiums Würzburg, das eine Kooperation anstrebt.

Letter of Intent
Letter of Intent
Unterstützung aus der Partnerstadt: Oberbürgermeister Andrj Sadovyi und Oberbürgermeister Christian Schuchardt bei der Unterzeichnung des Letters of Intent. Das Unbroken Cities Network wächst. Foto: Jacek Braminski

Gräber
Gräber
Gedenken auf dem Soldatenfriedhof: Der Krieg fordert auch in Lviv viele Menschenleben. Die beiden Oberbürgermeister legten Blumen nieder. Foto: Stadtverwaltung Lviv

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