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Stadtteilbezogene Corona-Inzidenzen in Würzburg: Keine permanenten Häufungen wie in einigen Großstädten

Vor dem Hintergrund der aktuell in zahlreichen Großstädten geführten Debatten über Häufungen von Corona-Fällen in sogenannten Problemstadtteilen wurden auf Veranlassung des Oberbürgermeisters vorhandene Primärdaten ausgewertet und auch weitere Analysen beauftragt.

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So erfolgte zu Jahresbeginn eine Abwasserauswertung an der Zentralen Kläranlage in der Mainaustraße, um zu überprüfen, ob die im Abwasser analysierten Virenlasten mit den im Nachgang erhobenen Inzidenzwerten korrelieren. Zwar können damit keine quartiersbezogenen Werte ermittelt werden, aber es konnten, im Sinne eines Frühwarnsystems, teilweise erhebliche Anstiege im gesamten Gebiet des „Abwasserzweckverbands Großraum Würzburg“, für den das Klärwerk die Abwasserbehandlung vornimmt, identifiziert werden. So konnte der Scheitelpunkt der dritten Welle in einem Messergebnis bereits ein bis zwei Wochen früher erkannt werden. Obwohl mit dem Entnahmeort an der Kläranlage die größtmöglich vorhandene Datenbasis bzw. Virenfracht ausgewertet wurde, ergeben sich allerdings messtechnisch erhebliche Ungenauigkeiten, die daher auch unplausible Befunde beinhaltet haben. Erwogen wurde auch eine aufwändige stadtteilspezifische Entnahme. Dieser Weg wird allerdings seitens der Stadt nicht weiterverfolgt. Dies auch vor dem Hintergrund der mittlerweile überall verfügbaren und teilweise durch Arbeitgeber oder in Geschäften vorgeschriebenen Schnelltests, die das Testmanagement wesentlich effizienter gemacht haben.

Mittels einer Postleitzahlenanalyse der hospitalisierten Fälle wurde eine weitere Betrachtung unternommen. In den Würzburger Postleitzahlenbezirken sind allerdings mehrere Stadtteile zusammengefasst. Bei dieser Betrachtung hatte den höchsten Wert bezogen auf das Gesamtjahr bis Ende April der Postleitzahlenbezirk Zellerau und Steinbachtal mit 0,163 % der Bevölkerung die hospitalisiert wurde, den niedrigsten Wert die Innenstadt mit 0,057%. Auffällig ist hier, dass gerade die Innenstadt mit ihrer sehr heterogenen Bevölkerungsstruktur bezogen auf die Altersstruktur und Wohnform den niedrigsten Wert im Stadtgebiet aufwies. In der Zellerau hingegen ist bekannt, dass im Januar ein Ausbruchsgeschehen in einem weiter verzweigten Familienverband zu Infektionsgeschehen im Besonderen in mehreren vorschulischen und schulischen Einrichtungen geführt hatte. Dies erklärt unter anderem den Spitzenwert.

Eine kleinräumigere Betrachtung konnte durch das städtische Amt für Statistik durch eine Analyse der Positivfälle zu den Stadtbezirken für die ersten vier Monate des Jahres unternommen werden. Grundsätzlich erreichten alle Stadtteile temporär eine Inzidenz von 150 bis 300 jeweils für wenige Tage. Den höchsten lokalen Inzidenzwert erreichte das Dürrbachtal mit einer Inzidenz von knapp über 500. Dies lässt sich präzise auf das Ausbruchsgeschehen in der GU in der Veitshöchheimer Straße zurückführen. Um hier gegenzusteuern wurden durch Festlegung des Oberbürgermeisters Impfangebote gezielt unterbreitet. Mittels Information und Aufklärungsmaßnahmen wird die Impfbereitschaft angesprochen, um auch bestehenden Vorurteilen gegenüber dem Impfen entgegenzuwirken. Bei dem hohen Inzidenzwert ist aber zu berücksichtigen, dass die Grundgesamtheit, also die absolute Zahl der Wohnbevölkerung im Dürrbachtal eher gering ist und daher Inzidenzberechnungen auch bei geringer Fallzahl zu sehr hohen statistischen Werten führen. Um der Diskriminierung der Geflüchteten vorzubeugen, erfolgte durch den Verwaltungsstab und letztentscheidend durch den Oberbürgermeister daher die Festlegung die Berichterstattung hierzu nicht öffentlich vorzunehmen. Die Höhe des Ausbruchsgeschehens ist grundsätzlich vorrangig der Wohnform geschuldet, die ähnlich wie in Senioreneinrichtungen eine im Wesentlichen vergemeinschaftete Wohnform ist.

Den zweithöchsten Wert im Rahmen dieser stadtbezirklichen Auswertung wurde temporär für einen Zeitraum von zwei Wochen Mitte April am Heuchelhof mit Inzi-denzwerten zwischen 250 und 450 gemessen. Der Heuchelhof wies allerdings im Jahresverlauf bis dahin auch Phasen unterdurchschnittlicher Werte auf, über einige Wochen sogar einen Wert von Null was für die Größe des Stadtteils ungewöhnlich ist. Die Primärdaten wurden auf Veranlassung des Oberbürgermeisters durch das Gesundheitsamt noch einmal beleuchtet. Dr. Löw, Leiter des Gesundheitsamtes kommt zu dem Schluss: „Es gibt ein diffuses Ausbruchsgeschehen, dass temporär am Heuchelhof zu Spitzenwerten geführt hat. Weitere Folgerungen ergeben sich hieraus nicht.“ Besonders interessant ist, dass der Stadtbezirk, der gleichfalls siedlungstypologisch größere Wohnanlagen aufweist, meistens mit Balkonen, mit großen Freiflächen herum, nämlich die Lindleinsmühle keinerlei Auffälligkeiten im Vergleich zu vorrangig durch kleinere Wohneinheiten geprägte Stadtbezirke kennt.
Die Altstadt, die im Besonderen kleinräumig, wohnungsgeprägt, vielfach ohne Balkone mit einer sehr heterogenen Wohnbevölkerung, ist hingegen völlig unauffällig mit geringen Volatilitäten.

In der Konsequenz erscheinen Sonderkontigentierungen bei der Impfstoffbewirtschaftung, die durch Mangel geprägt ist, die zu Lasten anderer Bevölkerungsgruppen im Stadtgebiet gehen würde, nicht angezeigt. Dieser Weg fand z.B. in Köln Chorweiler bundesweite Beachtung. Der Oberbürgermeister hierzu: „Würzburg ist eine eher kleine Großstadt, dadurch haben wir auch nicht so große Stadtteile. Wichtig ist es für uns sobald mehr Impfstoff zur Verfügung steht, zu den Menschen zu gehen bei denen die Impfbereitschaft nicht so ausgeprägt ist.“ Das Sozialreferat der Stadt bereitet daher Informations- und Aufklärungsaktivitäten auf kleinräumiger Stadteilebene flächendeckend vor.

Auf Grund des äußerst uneinheitlichen und komplexen Bildes über das gesamte Stadtgebiet wurden die ersten Ergebnisse im Rahmen der Corona-Berichterstattung im Stadtrat zunächst in nicht-öffentlicher Sitzung mündlich vorgestellt. Dies allerdings auch um Stigmatisierungen bestimmter Bevölkerungsgruppen durch Fokussierung auf die jeweils höchste Zahl vorzubeugen und um Fehlinterpretationen, die durch rein rechnerische Höchstwerte bei unterschiedlichen Grundgesamtheiten vorzubeugen. Diese Erkenntnisse sollten im Rahmen eines Pressetermins schriftlich aufgearbeitet vorgestellt werden. Die Auswertung und Analysen erfolgten anlassbezogen. Grund für die aktuelle Befassung im Stadtrat war die mediale Berichterstattung aus anderen Großstädten.


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