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Die Kultur ist zurück: Stadt Würzburg übergibt Kulturpreise

Zwei Jahre lang mussten die Ehrungen der Kulturpreis- wie auch der Kulturförderpreisträger aufgrund der Corona-Pandemie verschoben werden.

Kulturpreis@Christian Weiss-1
Kulturpreis@Christian Weiss-1
Kulturpreis- und -förderpreisträger 2020 und 2021 mit von links Oberbürgermeister Christian Schuchardt, Steffen Zeller für das Festival Neues Lied, Kim Hertinger, Elvira Lantenhammer, Birgit Süß, Dominik Blenk, Florian Glemser, Hussien Mahmoud und Kulturreferent Achim Könneke. Foto: Christian Weiß
Zwei Jahre, in denen die Kulturbranche wie kaum eine andere Branche existentiell betroffen war und „noch Jahre an Long-Covid leiden wird“ wie Würzburgs Kulturreferent Achim Könneke feststellte: „Es ist nicht vorbei. Festivals stehen auf der Kippe und die Gunst und Zeit des Publikums muss hart zurückerobert werden – absehbar ist, dass es ein Langstreckenlauf wird.“ Deshalb gelte es, die Dauerpflege der Künste und Kultur in Würzburg zu stärken und für auskömmliche und motivierende Rahmenbedingungen einzustehen – auch, um die fragile Kultur resilienter zu machen, so Könneke.

Denn gerade Künstlerinnen und Künstler bereichern mit ihrer Arbeit und ihrem Werk unsere Gesellschaft und fördern ganz nachhaltig die Lebensqualität sowie das kulturelle Profil und die Identität unserer Stadt, betonte Oberbürgermeister Christian Schuchardt. Deshalb sei mit dem Kulturpreis ein großer Dank der Stadt Würzburg verbunden, denn ohne Künstlerinnen und Künstler wäre Würzburg um vieles ärmer.

Den Kulturpreis 2020 überreichte Schuchardt der Künstlerin Elvira Lantenhammer. Sie zeichnet sich als Malerin seit Jahren durch ein Werk aus, das im höchsten Maße eigenständig für sich selbst steht und auch überregional viel Aufmerksamkeit und Anerkennung gefunden hat.

Als Restauratorin vor ihrem Kunststudium habe Lantenhammer im Dienst der Werke gestanden, jetzt als Künstlerin erschaffe sie eigene Kreationen, erläuterte Laudator Jochen Meister. Ihre Malkunst beziehe dabei ihre Energie aus der Kraft der Farben, erläutert Laudator Jochen Meister. Bei ihren Lageplänen – von denen manche bei einem Stipendium in Würzburgs japanischer Partnerstadt Otsu entstanden sind – habe die japanische Tradition ihre Seele inspiriert. „Ihr ist der geistige aber auch körperliche und sinnliche Kontakt mit dem Ursprungsland wichtig“, so Meister: „Elvira Lantenhammer lässt uns an ihren Werken teilnehmen – außen wie innen.“

Als zweite Kulturpreisträgerin wurde an diesem Abend Birgit Süß ausgezeichnet. Süß ist als Schauspielerin, Sängerin und Kabarettistin bekannt, aber auch als Autorin und Produzentin. Mit diversen Kabarettproduktionen und Auftritten begeistert sie seit Jahren auch als Solo-Künstlerin ihr Publikum. „Birgit Süß beeindruckt ihr Publikum mit ihrer Bühnenpräsenz, ihrem kabarettistischen Witz und ihrem musikalischen Können und zählt damit zu einer der wichtigsten Vertreterinnen der Musikkabarett- und Kleinkunsttheaterszene Deutschlands“, unterstreicht Schuchardt das Können der Künstlerin. „Ihr gelingt es vortrefflich, die Balance zwischen kabarettistischem Witz und ernster Kritik, zwischen hoher Kunst und augenzwinkerndem Spaß, zwischen charmanter Unterhaltung und ernsthafter Vermittlung zu finden“, so der Oberbürgermeister.

„Birgit Süß ist Punkband-Sängerin, Sprachrohr, Frauenrechtlerin, Gegen-Rechts-Anwältin“, zählt Laudatorin Homaira Mansury nur einige Rollen der Künstlerin auf. Süß gebe vielen Frauen, die nicht gesehen werden, Sichtbarkeit. Sie ist eine Künstlerin, die Stereotype zurechtrückt, „sie ist laut, schrill und nicht zu überhören.“ Birgit Süß rede nicht über Dinge, sie tue sie – sie stehe auch nicht am Spielfeldrand, sondern sie mische sich ein.

Neben den Kulturpreisen vergab die Stadt Würzburg an diesem Galaabend auch sechs Förderpreise. So gingen die Förderpreise 2020 an die Filmemacherin Kim Fabienne Hertinger, die mit ihrem Erstlingswerk nicht nur als Regisseurin besondere filmkünstlerische Akzente gesetzt, sondern auch eine wichtige Thematik des Kurzfilms - der Umgang mit Menschen, die unter dem Korsakow-Syndrom leiden - einem großen Publikum bekannt gemacht hat und dafür mit zahlreichen internationalen Filmpreisen ausgezeichnet wurde.

Ein weiterer Förderpreis ging an das Pianisten-Ehepaar Franziska und Florian Glemser, die es mit abwechslungsreichen und oft auch sehr originellen Konzertprogrammen verstehen, aus der Konzert-Nische eines Piano-Duos neue Besuchergruppen zu erschließen und Klaviermusik zeitgemäß zu vermitteln, wie Könneke betonte. Mit der Verleihung des Kulturförderpreises spricht die Stadt Würzburg Franziska und Florian Glemser Dank und Anerkennung für ihre erfolgreiche musikalische Tätigkeit aus.

Der dritte Förderpreis ging an das Festival „Neues Lied“ der Initiatorin Esthea Kruger, die von Steffen Zeller vertreten wurde. Das junge Festival hat keinen geringeren Anspruch, als eines der bedeutendsten Festivals für das moderne Kunstlied in Deutschland zu werden. Dabei werden nicht nur alte Hörgewohnheiten durch viele neue Klänge aufgebrochen, es gelingt den Organisatoren auch bewundernswert erfolgreich das sehr besondere Genre des zeitgenössischen Kunstliedes aus dem 20. und 21. Jahrhundert einem neuen und begeisterten Publikum zu erschließen, betonte der Kulturreferent. Bei Festival, das künftig neben Würzburg auch in Kapstadt stattfinden wird, international renommierte Stars ebenso auf wie junge Künstlerinnen und Künstler, die noch am Beginn ihrer Karriere stehen.

In 2021 erhielten der Musiker Hussein Mahmoud, der Tänzer Dominik Blenk und die Musikerin Hannah Solveij Gramß Förderpreise der Stadt Würzburg. Majmoud – der das traditionelle Instrument Saz spielt – versteht es, mit hoher Spielfreude und einer außerordentlichen musikalischen Sensibilität traditionelle Grenzen zwischen Welt- und Jazzmusik aufzuheben. „Durch seine von Kritik und Publikum gelobten Konzertauftritte wurde zugleich die Saz einem breiten hiesigen Publikum bekannt, so dass er die kulturelle Landschaft Würzburgs entscheidend bereichert“, so Könneke.

Dominik Blenk dagegen versteht es, „verschiedenste Tanzformen miteinander zu vereinen, um daraus einen besonderen, stimmungs- und spannungsgeladenen Tanzstil entstehen zu lassen“, gratuliert Könneke dem Förderpreisträger. So treffe in seinen Produktionen Break-Dance auf Elemente des klassischen Balletts und die Ausdrucksmöglichkeiten des Contemporary Dance – und das sehr erfolgreich, hat er doch 2018 mit der Gruppe „Dream Scapes“ den Weltmeistertitel in der Kategorie Breakdance gewonnen.

Hannah Solveij Gramß dagegen gehört als Violinistin aufgrund ihres hohen technischen Könnens verbunden mit hoher Musikalität zu einer der vielversprechendsten Musikerinnen ihrer Generation. Aufgrund ihrer charismatischen Bühnenpräsenz verbunden mit einem eigenwilligen Ideenreichtum in der Interpretation füllt sie schon jetzt die großen Konzerthäuser dieser Welt. Mit der Verleihung des Kulturförderpreises möchte die Stadt Würzburg Gramß ermutigen, ihren „beeindruckenden künstlerischen Weg neugierig, offen und zielstrebig weiter zu gehen“, zitierte Könneke die Verleihungsurkunde.

Doch was wäre eine Kulturpreisverleihung ohne Kultur? Alle ausgezeichneten Künstlerinnen und Künstler gaben zum einen Kostproben ihres Könnens, sei es am Klavier oder der Saz oder gar auf dem Tanzboden, so dass aus der Preisverleihung ein richtiger Gala-Abend wurde. Oder wie Eberhard Schellenberger, der durch den Abend führte, feststellte: „Wir sind froh – die Kultur ist zurück!“


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